Studienfach Puppenspiel
Diese Ausbildung über 8 Semester zeigt praxisnah vielfältige künstlerische Wege und Möglichkeiten durch die verschiedensten Medien auf die Bühne, in die Öffentlichkeit zu treten.
Das Puppenspiel, als eine uralte Kunst, die sich erst durch die Einflüsse anderer Künste voll entfaltete, ist offen für andere Genres – Tanz, Schauspiel, Film, Performance und elektronische Medien.
Lehre und Studium im Studiengang Puppenspielkunst sollen die Studierenden für den Beruf Puppenspieler-in/Darstellender Künstler-in ausbilden, die ihre künstlerische Arbeit, Kreativität und öffentliche Wirkung in Kenntnis der persönlichen, menschlichen, kulturellen und sozialen Verantwortung ausüben und den Anforderungen einer sich verändernden beruflichen Praxis nicht nur genügen können, sondern sie gestalten.
Puppenspielkunst wird als eine spezielle Art der Darstellenden Kunst aufgefasst, die sich als eine kommunikative Aktion mittels materieller Medien realisiert.
Durch inhaltliche Setzung, sprachliche Synchronisierung und die Animation dieser Medien
werden sie: Puppen, Dinge, Objekte - zu szenischem Spielmaterial, dass durch die Verknüpfung von Gegensätzlichem: Objekt und Subjekt des Spiels – zum erlebbaren Ganzen in der Phantasie des Zuschauers, zu Theater, zu Film wird.
Zum Hauptfach "Puppenspielkunst" kommen Fächer wie: Objekttheater, Animatronics, Schauspiel, Gesang, Sprechen, Puppenspieltechniken, Bewegung, Pantomime, Akrobatik, bildnerische Gestaltungslehre. Ergänzend zur Praxis theoretische Unterrichtsfächer: Puppentheatertheorie, Geschichte, Ästhetik, Kunst- und Kulturgeschichte, Dramaturgie.
Weitere Informationen:
Allgemeine Studienziele:
- die Befähigung der Studierenden solistisch, in Inszenierungsteams und in Theaterensembles künstlerisch zu arbeiten,
- die Herausbildung der Fähigkeit und Fertigkeit über Animation von Puppen, Materialien und Objekten sowie durch kreative Anwendung von traditionellen Puppenspieltechniken und –formen zu überzeugenden Figurengestaltungen zu gelangen,
- die Befähigung, als Schauspielerin/Schauspieler in den verschiedenen Formen theatralischer Kommunikation wirksam zu werden,
- die Befähigung zu konzeptioneller Theaterarbeit, das heißt zur eigenverantwortlichen oder mitverantwortlichen Bestimmung der Ziele, Inhalte und Arbeitsmethoden des künstlerischen Produktionsprozesses in seiner Gesamtheit,
- die Befähigung, die bildgestalterischen Wirkungsmöglichkeiten seines Spielmaterials (Puppen, Objekte, Bühnenraum und Bühnenbild) zu erkennen, produktiv mitzubestimmen und im Darstellungsprozess bewusst zu mobilisieren.
(3) Lehre, Studium und künstlerische Entwicklungsarbeit streben Kooperationen mit der Theater-/Puppentheaterpraxis sowie mit ähnlichen Ausbildungsinstitutionen auch international an.
(4) Die allgemeinen Studienziele und –inhalte werden laufend überprüft und in Bezug zur Entwicklung von Kunst, Wissenschaft und Gesellschaft gesetzt.
Ziele des Grundstudiums
Während des Grundstudiums wirkt sich die Integration des Studienganges Puppenspielkunst im Studium an der Hochschule für Schauspielkunst "Ernst Busch" in Form gemeinsamer Lehrveranstaltungen der Puppenspiel- und Schauspielstudentinnen und –studenten aus. (2)Ziele des Grundstudiums sind:
- Entdecken, Erkennen und Entfalten des individuellen und persönlichen künstlerischen Ausdruckswillens und –vermögens der Studierenden,
- Freisetzen von Spontaneität und Phantasie sowie Ausdrucks-, Vermittlungs- und Kommunikationsfähigkeit,
- Abbau von Ausdruckshemmungen,
- Ausbildung der animatorischen Fähigkeiten und ihre Vervollkommnung,
- die gewonnenen persönlichen darstellerischen Ausdrucksmittel in Spielvorgänge einzubringen und die eigene Bühnenwirkung zu erfahren,
- Entwicklung und Ausbildung des körperlichen, stimmlichen und sprachlichen Ausdrucksbewusstseins und –vermögens,
- Ausbau der Beobachtungsfähigkeit sowie des emotionalen und körperlich-sinnlichen Gedächtnisses der Studierenden,
- Sensibilisierung und Kultivierung der kreativen Gestaltungsphantasie und –anlagen,
- Entwicklung der analytischen Fähigkeiten sowie Befähigung zur verbalen Argumentation im Arbeitsprozess,
- Aneignung von Grundkenntnissen der Theater- und Kunstgeschichte sowie Ästhetik, Kultur- und Sozialgeschichte,
- Aneignung von Grundkenntnissen der Puppentheatergeschichte sowie Theorie und Ästhetik des Puppenspiels,
- Entwicklung der Fähigkeit, an puppenspielerischen Aufgaben methodisch zu arbeiten, und der Fähigkeit, Erfahrenes und Erkanntes während des Studiums bewusst abzurufen und entsprechend einzusetzen,
- Befähigung zum Konzipieren, Organisieren, Probieren und Realisieren – allein oder mit Partner – von komplexen Inszenierungsvorhaben, verwirklicht im „freien Projekt“,
- Erfahren von Publikumsresonanz in Vorspielen und öffentlichen Aufführungen, um diese produktiv zu machen durch Auswertungen im Arbeitsteam und im Kreis der Lehrenden und Studierenden der Hochschule,
- Fähigkeiten entwickeln, sich mit Studien- und Berufsmotivation regenerierend auseinanderzusetzen.
Ziele des Hauptstudiums
- Erweiterung und Vertiefung der im Grundstudium erworbenen Erfahrungen, Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten sowie ihre bewusste Anwendung im Hinblick auf die Lösung puppenspielerisch/darstellerischer Aufgaben als Solistin bzw. Solist und in Inszenierungsteams,
- Entwicklung der bildkünstlerischen Phantasie und Gestaltungsfähigkeiten sowie das Erwerben von handwerklichen Grundfähigkeiten auf dem Gebiet der Puppengestaltung,
- Erproben und Erfassen der grundsätzlichen kommunikativen Beschaffenheit der Puppenspielprozesse sowie die bewusste Anwendung der Spielkommunikation als Material der theatralischen Realisierung,
- Kennenlernen und Erproben verschiedener Spielweisen unter Einsatz verschiedener Darstellungsformen und –techniken (als Puppenspiel und als Schauspiel) mit ihren Gesetzmäßigkeiten und Wirkungen,
- Kennenlernen und Erproben verschiedener Theaterkonzeptionen und Arbeitsweisen sowie derer kommunikativen und ästhetischen Wirkungsabsichten und –konsequenzen,
- Entwicklung der Fähigkeit zur konzeptionellen Puppentheaterarbeit sowie zur selbstverantwortlichen Produktion puppentheatralischer Kommunikation,
- Erarbeitung des freien Diplomprojekts, der schriftlichen Diplomarbeit und des Ensemblediplomprojekts.
Inhalte des Studiums
(1)Die Studienziele werden im wesentlichen durch die Beschäftigung mit folgenden Inhalten angestrebt:
A. Darstellendes Spiel und Gestaltungslehre
Das Lehrgebiet wird unterrichtet durch die Fächer „Puppenspiel“, „Schauspiel“, „Bildgestaltung/Gestaltungslehre“.
Der Ausbildungsprozess umfasst:
- Übungen und Methoden zur Entwicklung der Spielfähigkeit
* in bezug auf die individuelle körperliche, seelische und geistige Disposition und Leistungsfähigkeit der Spielerin/des Spielers und
* in bezug auf die besondere Phantasie der Spielerin/des Spielers, die sie/ihn befähigt, durch einen „Belebungs“-/Animationsvorgang die funktionale Umkehrung der Subjekt-Objekt-Beziehungen im Umgang mit einem materialen Medium (Puppe) im Sinne der Figurengestaltung herbeizuführen, sowie das tätige, aktive Erfassen von Vorgängen und Beziehungen als Interaktion mit Partnern und in der Gruppe. - Übungen und praktische Seminare zur Entwicklung von szenischen Präsentationen anhand von epischen oder dramatischen Textvorlagen, wobei der theatralische Vorgang als Ergebnis komplexer Wechselwirkungen aller aktuell einsetzbaren Darstellungsmittel der Studierenden und der Animationsvorgang als kollektive Tätigkeit mit kommunikativer Gestaltungsfunktion erkannt und als persönliche Auseinandersetzung realisiert wird.
- Szenenstudien im Schauspiel und im Puppenspiel (in traditionellen und aktuellen Grundtechniken) für Aufbau und Entwicklung gründlicher Rolleninterpretationen und Figurengestaltung. Dabei werden Vorgang und Struktur von Handlung und Verhaltensweisen von Figuren in Abhängigkeit von verschiedenen Situationen und ihren Auswirkungen thematisiert, vorbereitend analysiert und praktisch ausprobiert. Im Puppenspielszenenstudium werden die darstellenden und „darstellerischen“ Potenzen der jeweiligen Puppen erkundet und in Verknüpfung von Animations- und Sprechvorgang in bezug auf beabsichtigte Inhalte für den Aufbau und die Realisierung der Figur modifiziert.
- Gestaltungsübungen in Puppen- und Bühnengestaltung entwickeln die praktisch-bildnerische Ausdrucksfähigkeit der Studierenden: sie probieren aus und erfahren den Zusammenhang zwischen bildnerischem Ausdruck und der instrumentalen Beschaffenheit der Puppe als Medium zur Darstellung im Aktionsraum und ihre visuale Wirkungskraft für die theatralischen Vermittlungen.
- Die Projektarbeiten vermitteln die Komplexität theatralischer Produktionen von der Wahl des Stoffes/Stückes über die Phase der Konzipierung einer Inszenierung mit ihrer szenographischen Realisierung bis zur Probenarbeit und zu öffentlichen Aufführungen/Vorstellungen. Die aktuellen Erfahrungen der Studierenden, ihre Fähigkeiten, Kenntnisse und Fertigkeiten werden unter der Leitung der Regisseurin/des Regisseurs oder in Selbstverantwortung der Studentinnen bzw. der Studenten mobilisiert und im Gesamtgestaltungsprozess produktiv eingebracht.
- Aufführungen vor Publikum in verschiedener Zusammensetzung und auf jeder Stufe der Entwicklung der Studierenden fordern die produktive Einsatzfähigkeit in natürlicher Spannung und Aufregung heraus und mobilisieren die individuelle Leistungsfähigkeit in diesen für die Darstellerinnen bzw. die Darsteller existentiellen Situationen.
- Übungen und Methoden zur Herausbildung von Bewegungsbewusstheit; Körpererfahrung; Körperbildung, Körperbewusstsein; Körpersprache; Aufbau der instrumentalen Disposition des Körpers im Darstellungsprozess auf der Basis der individuellen körperlichen, seelischen und geistigen Voraussetzungen der Studierenden; Abbau von Ausdruckshemmungen.
- Methoden und Übungen zur Herausbildung von animatorischen Fähigkeiten und Fertigkeiten, Aneignen und Trainieren der Technik des „Fremd-Werdens“ von Körperteilen, besonders Arm und Hand, der Technik zur Beherrschung von Pendelbewegungen der Objekte im Raum, der Technik der Übersetzung von Bewegungsabläufen im Material, von Techniken zur Spezifizierung von Übersetzungsprozessen anhand verschiedener Führungskonstruktionen von Puppen; Strukturieren von Bewegungsabläufen im Animationsvorgang und seiner Gesetzmäßigkeiten.
- Vermittlung von Erfahrungen und Grundkenntnissen über pantomimische Techniken und Formen.
- Übungen zum Erfahren der raumstrukturierenden Funktion der Bewegungsabläufe; Aufbau von Gestaltungsbewusstsein, tänzerische Techniken und Formen, Kampftechniken und rituelle Bewegungsformen, Akrobatik.
Ziel der Ausbildung ist es, die Studierenden zu gestischem Sprechen zu befähigen. D.h., eine Figur in einer konkreten Situation in bezug auf ihre Handlungsabsichten, individuell und sozial motiviert, erkennbar werden zu lassen durch
- Atemschulung, Stimm- und Lautbildung,
- Entwicklung von Körperbewusstsein für Stimme und Sprechen,
- Textarbeit: Sprecherische Interpretation literarischer Texte, Grundlage ist deren Analyse und Anwendung erworbener sprecherischer Ausdrucksmittel,
- Körperstimmtraining: Weiterführung und Vertiefen gemachter Erfahrungen zum Zusammenspiel und zur Koordination von Körper und Stimme, stimmlicher und sprachlicher Einsatz unter erhöhter körperlicher Belastung, Entwicklung von Gruppensensibilität,
- Analyse, Fremd- und Selbstbeurteilung von Sprechleistungen, Herausbildung des funktionellen Hörens,
- Erlernen spezieller Techniken (Kopfstimme, Flüstern, Weinen, Lachen, Stilisierungen),
- Verknüpfung von Sprechvorgang und Animationsvorgang, Erkennen des Zusammenhanges zwischen Material (Ding, Puppe) und Sprechgestus.
- Verstheorie/Deutsche Versgeschichte
- Übungen zur Interpretation ausgewählter poetischer Texte
- Übungen zur Erschließung des Verhältnisses von Sprache und Szene.
- Vermittlung musikalischer Grundlagen: Notenkenntnisse, Gehörbildung, rhythmisch-musikalische theoretische Begriffe unterschiedlicher Musikepochen
- Übungen und Methoden zur Stimmbildung; Atemtechnik; rhythmisch-musikalische Aktionen
- Ausbildung der Singstimme unter Ausnutzung möglichst des gesamten Stimmumfanges und Umgang mit dieser im Sinne des gestischen Singens
- Singen: Arbeit am Volkslied, Bühnenlied, Chanson, Song etc. in Verbindung mit elementaren Stilmitteln für Interpretation und Genre und zur Entfaltung (Bereicherung) der künstlerisch-musikalischen Gesamtpersönlichkeitsausstrahlung im Vortrag
- Chorisches Singen: Mehrstimmiger Satzgesang; polyphon und homophon.
Vorlesungen und Seminare über:
- spezifische kommunikationstechnische und ästhetische Aspekte der Puppenspielkunst,
- Puppenspiel als Darstellungsform; zur Entwicklung der Auffassungen über Puppenspiel und –theater seit Beginn des 20. Jahrhunderts,
- Rolle – Puppe – Figur; Grundmodell des kommunikativen Gestaltungsprozesses im Puppen-Spiel,
- die Puppe als Medium des darstellenden Spiels,
- Manipulation, Verfremdung, Animation,
- Darstellung als kommunikative Aktion,
- die Permutation der Subjekt-Objekt-Beziehungen in der „kreativen Kommunikation“,
- das Puppen-Spiel als synergetische Kunstform.
„Theatergeschichte“/„Puppentheatergeschichte“, „Kultur- und Kunstgeschichte“, „Ästhetik“, „Kultursoziologie“ und „Dramaturgie“.

