Studienfach Regie

Ziel des vierjährigen Diplomstudiengangs ist die Befähigung zur Regiearbeit, die Erweiterung der ästhetischen und sozialen Phantasie der Studierenden. Die für den Beruf notwendigen komplexen Fähigkeiten sollen sich entwickeln im ständigen praktischen Ausprobieren. Erlernen durch Handeln. Begreifen durch Erleben. Verstehen durch Beobachten des anderen und sich selbst. Im Zentrum der Ausbildung steht die Frage, wie es gelingt, Spiel zu initiieren und wie sich Wirklichkeiten erschließen lassen. Dabei spielt die Auseinandersetzung mit historischen und zeitgenossischen Theatertexten eine ebenso wesentliche Rolle wie die Erfahrung eigenen Spielens und die Vermittlung von Fähigkeiten gemeinsam mit den Darstellern den Probenprozess kreativ und zielgerichtet zu gestalten.
Durch eine hohe Variabilität der Studienabläufe ist es möglich, die methodische Konzeption der Ausbildung im Dialog mit dem Lebens- und Kunstverständnis der jeweiligen Studentengeneration ständig weiterzuentwickeln. Die aktuellen Diskussionen zur Rolle und Funktion des Theaters werden reflektiert. Eine enge Verbindung zwischen Theorie und Praxis wird angestrebt.
Das Studium ist systematisch aufgebaut und beinhaltet theoretische Lehrveranstaltungen, praktische Übungen und Studienprojekte. Innerhalb der vier Semester des Grundstudiums, das mit dem Vordiplom abschießt, gibt es vier Inszenierungsaufgaben. In den Szenen oder Szenenkomplexen aus ausgewählten Stücken spielen Schauspieler oder Schauspielstudierende. Im Mittelpunkt des dritten Studienjahres steht ein gemeinsames Projekt der Regie- und Schauspielklasse. Meist gruppieren sich die Regieaufgaben um einen Autor. In den letzten Jahren waren das Brecht, Tabori, Kleist, Fassbinder Shakespeare, Hebbel und Aischylos.
Die so entstandenen Inszenierungen werden im schuleigenen bat- Studiotheater aufgeführt.
Im vierten Studienjahr erarbeiten die Studierenden ihre Diplominszenierung unter professionellen Theaterbedingungen. Alle Regiearbeiten werden durch einen Regiementor begleitet. Ergänzt wird das Studienprogramm durch freie Projekte und Praktika an den Theatern.

Weitere Informationen:

Methodischer Aufbau des Studiums

Erstes Studienjahr (1.-2. Semester)
  • Grundkurs Regie
  • Grundkurs Raum
  • Teilnahme am Improvisationsseminar der Schauspielstudenten
  • Sprecherziehung, Körpertraining, Bewegungsunterricht
  • dramaturgische Analysen von Texten
  • Lehrveranstaltungen in Theaterwissenschaft, Philosophie, Musik
  • mindestens ein eigenes Szenenstudium mit professionellen Schauspielern (Duo-Szenen)


Zweites Studienjahr (3.-4. Semester)

  • Regiekurse
  • Fortführung bzw. Neubeginn der Lehrveranstaltungen in Musik, Bühnenbild, Theaterwissenschaft, Philosophie, Ästhetik
  • dramaturgische Erarbeitung von Regiekonzeptionen und Textanalysen
  • eigene Szenenstudien mit professionellen Schauspielern und mit Schauspielstudenten
  • Zusammenarbeit mit Bühnenbildstudenten


Drittes Studienjahr (5.-6. Semester)

  • dramaturgische Vorbereitung eines erweiterten Szenenstudiums (Praktikumsinszenierung) mit Regiekonzeption
  • eigene organisatorische und künstlerische Vorbereitung der Praktikumsinszenierung am Studiotheater bat oder an einem anderen Theater
  • eigenständige Leitung des Probenprozesses und Erarbeitung einer Inszenierung unter der Mentorenschaft eines Regisseurs
  • Dokumentation des Inszenierungsergebnisses und des Inszenierungsprozesses
  • mindestens ein weiteres Szenenstudium mit entsprechender Vorbereitung und Auswertung
  • Teilnahme an Workshops
  • Regiekurs
  • Lehrveranstaltungen zur Theaterorganisation, zu Theaterkonzepten, Rechtsfragen u.a.


Viertes Studienjahr (7.-8. Semester)

  • selbständige Vorbereitung (Konzeption) und Durchführung der Diplominszenierung
  • Dokumentation und Verteidigung der Diplominszenierung
  • Teilnahme an Workshops
  • Theaterpraktika

Allgemeine Studienziele

(1)Ziel der Ausbildung ist die Befähigung zu eigenständiger praktischer Regietätigkeit an Sprechtheatern. Lehre und regiemethodisches Studium mit inszenatorischem Training und theaterpraktischer Mitarbeit zielen auf hohe handwerklich-artistische und organisatorische Fähigkeiten sowie auf Förderung leistungsstarker künstlerischer Persönlichkeiten, die ihre Arbeit und ihr öffentliches Wirken in einer sozial-kulturellen Verantwortung verstehen und den Anforderungen einer sich notwendig ständig verändernden Praxis in hohem Maße genügen.

Dazu gehören insbesondere:
  1. Entwicklung von Realitätsbewusstsein, Fähigkeiten zur Beobachtung und Beschreibung von Wirklichkeit und Kunst,
  2. Ausbildung zu szenischer Phantasie und zu szenischem Erzählen,
  3. Fähigkeiten zur Herstellung von Arrangements und Bewegungsabläufen im Raum,
  4. Fähigkeiten zur Motivierung von Schauspielerinnen und Schauspielern für Schauspielangebote, zur Beobachtung und Beschreibung schauspielerischer Haltungen und Aktionen,
  5. Fähigkeiten zur Bildung von Spielensembles, zur Förderung des Leistungswillens der Spielerinnen und Spieler und zur kritischen Korrektur von Leistungen,
  6. Fähigkeiten zur Analyse von Stücktexten, zur Aufbereitung von Texten für Inszenierungen,
  7. Fähigkeiten zur konzeptionellen Arbeit für Inszenierungen, für Spielplanung und Profilbildung eines Theaters,
  8. Fähigkeiten zur Organisation und Führung von Proben bis zur Premiere,
  9. Fähigkeiten zur Integration der Gewerke und technischen Einrichtungen eines Theaters in Inszenierungsprozesse,
  10. Fähigkeiten, Aufgaben in Zusammenarbeit mit anderen am Gesamtprozess Theater Beteiligten zu lösen; Fähigkeiten der Kommunikation und kritischen Auseinandersetzung zur Bewältigung der jeweiligen Arbeitsaufgaben; Fähigkeiten, sich sozialen und individuellen Problemen und Widersprüchen produktiv zu stellen,
  11. Fähigkeiten und aktive Bereitschaft zur Auseinandersetzung mit dem Theatersystem sowie zur Erarbeitung und Erprobung von Alternativen,
  12. Fähigkeiten, im Spannungsfeld von Kunst und Wissenschaft mit künstlerischen und wissenschaftlichen Methoden zu arbeiten.
(2)Die Ausbildung mit dem Studienziel, den Beruf des Regisseurs erfüllen zu können, vermittelt Fähigkeiten und Kenntnisse, die auch im erweiterten Berufsfeld anwendbar sind.
(3)Bestandteil der Ausbildung innerhalb der inszenatorischen Tätigkeit der Studentinnen und Studenten ist die Kooperation mit Studentinnen und Studenten der Abteilung Schauspiel der eigenen Hochschule sowie die Zusammenarbeit mit Bühnenbild- und Musikstudentinnen und –studenten der anderen Berliner Kunsthochschulen.
(4)Studienziele und Inhalte sollen laufend überprüft und in bezug auf die Entwicklung von Kunst und Wissenschaft, auf die sich wandelnden Anforderungen der Theaterpraxis und auf Grund von Erfahrungen innerhalb des Ausbildungsprozesses modifiziert und verändert werden.

Ziele des Grundstudiums

Das Grundstudium hat folgende Lernziele:
  1. die Entwicklung der Fähigkeit, auf der Basis regiehandwerklicher und schauspielmethodischer Grundkenntnisse und des Vermögens zur dramaturgischen Analyse von Theatertexten mit Schauspielerinnen und Schauspielern szenische Entwürfe herzustellen,
  2. die weitere Ausbildung der Fähigkeit zur Beobachtung von Wirklichkeit und des widersprüchlichen Realitätsbewusstseins, das Entdecken von Spielvorgängen im Alltag und in der Kunst,
  3. die Umsetzung der in den regiemethodischen, dramaturgischen, theaterwissenschaftlichen und sozialwissenschaftlichen Unterrichten erworbenen Kenntnisse in die regiepraktische Arbeit,
  4. die Ausbildung der künstlerischen Gestaltungsfähigkeit,
  5. die Freisetzung und Entwicklung der Spontaneität und Phantasie sowie der Ausdrucks-, Vermittlungs-, Führungs- und Kommunikationsfähigkeit.

Ziele des Hauptstudiums

Im Zentrum des Hauptstudiums steht die Erarbeitung der Praktikums- und Diplominszenierung. Diese Inszenierungen werden sowohl am hochschuleigenen Studiotheater bat als auch an anderen Theatern im deutschsprachigen Raum in der Regel als öffentliche Aufführungen erarbeitet.

Im Zusammenhang damit hat das Hauptstudium folgende Lernziele:
  1. die Erweiterung und Vertiefung der im Grundstudium erworbenen Kenntnisse und Fähigkeiten sowie deren bewusste Anwendung in den regiepraktischen Arbeiten,
  2. die Entwicklung der Fähigkeit zur eigenständigen organisatorischen und künstlerischen Vorbereitung des Inszenierungsprozesses,
  3. die Ausprägung eines eigenständigen Regiewillens sowie der Fähigkeit, diesen in Zusammenarbeit mit allen am Gesamtprozess Theater Beteiligten im Probenprozess umzusetzen,
  4. die Fähigkeit zur kritischen Auseinandersetzung mit Theaterkonzepten und –profilen und zur Erarbeitung eigenständiger Vorstellungen für die Theaterarbeit in Hinblick auf die Theaterpraxis.

Inhalte des Studiums

Die Studienziele werden durch die drei Lehrgebiete Regie, Angewandte Dramaturgie, Theorie und Geschichte der Schauspielregie/Sozialwissenschaft vermittelt, deren Fächer miteinander korrespondieren und sich methodisch ergänzen.

I. Regie
  1. Spiel, Improvisation, Darstellung
    • Spielerfahrungen, Selbstspielen der Regiestudentinnen und –studenten zur eigenen Erfahrung von Verhalten im Raum, von Arrangements, Bewegungsabläufen, Haltungen u.a. sowie Erfordernissen und Grenzen schauspielerischen Könnens
    • Spielfähigkeit, Methoden zur Entwicklung der Spielfähigkeit bei Spielerinnen und Spielern und Gruppen (Motivationstraining)
    • Improvisationen nach Beobachtungen in der Wirklichkeit, Einbringen von Haltungen, Situationen und Vorgängen ins szenische Spiel
    • Aufbau von Figuren, Gestaltung von Fremdverhalten
    • Finden von Ausgangs- und Grundsituationen
    • Erarbeitung von szenischen Vorgängen, Strukturen szenischen Handelns und Verhaltens in verschieden bedingten Situationen
    • Erproben verschiedener Spiel- und Darstellungsmethoden und Techniken in Aussagekraft und Wirkung

  2. Probenarbeit, Herstellung einer Inszenierung
    • Bildung eines Regieteams (Bühnenbild, Dramaturgie, Musik, Assistenzen), produktive Mitarbeit des Teams und kritische ständige Auswertung des Inszenierungsprozesses im Team bis zur Premiere, Einschätzung des Resultats
    • Finden der bestmöglichen Besetzung, Umbesetzungen, Arbeit mit einzelnen Spielerinnen und Spielern
    • Terminierung und Organisation der Proben, methodischer Aufbau der Proben und des gesamten Probenvorlaufs, der Durchlauf- und Endproben
    • Herstellung eines Regiebuches
    • Arbeits- und Proben-Notate, Auswertung der Probenresultate mit dem Spielensemble
    • technisches Einrichten und Kostümproben, Korrekturen bis zu den Endproben
    • Integration von Musik, Ton, Licht mit Sonderproben
    • Teildurchläufe, Durchläufe des ganzen Stückes mit Technik in Kostüm und Maske
    • Spieldauer, Spielrhythmus der Aufführung, Strukturierung der Aufführung (Einstieg, Pausen, Finals u.a.)
    • Vorbereitung und Durchführung der Haupt- und Generalprobe und der Premiere, Vorhangsordnung, Einlass, Gestaltung des Zuschauerbereiches u.a.
    • Erfahrung mit Publikum in verschiedener Zusammensetzung, Wirkungskontrollen, Auswertung der Erfahrungen im Team und mit dem Spielensemble
    • Kontrolle der weiteren Aufführungen, Abendregie, Erhaltung der künstlerischen Qualität und der Wirkung, Nachproben, Umbesetzungen

  3. Körper, Raum, Bewegung
    • Körpererfahrung, Körpersprache, Körperbewusstsein als Basis schauspielerischer Arbeit
    • Bewegungsformen und Konventionen verschiedener Gesellschafts- und Theaterformen
    • tänzerische Techniken und Formen
    • Kampftechniken und rituelle Bewegungsformen
    • Bewegungsabläufe im Raum

  4. Stimme, Sprechen, Sprache
    • Atembildung, Entwicklung von Körperbewusstsein für Stimme und Sprechen
    • Lautbildung, rhythmisch-musikalische Grundbildung
    • Schulung von sprecherischem Ausdrucksvermögen, Sprechtechniken
    • gestisches Sprechen
    • Textarbeit, Beschäftigung mit literarischen Formen und Strukturen, Vers und Prosa
    • Sprechwissenschaftliche Grundlagen, Spezialprobleme
    • Mikrofonsprechen
    • Sprach- und Kommunikationstheorien

  5. Bühnenbild, Kostüm und Maske
    • Geschichte des Bühnenbildes und des Kostüms
    • Bühnenraum, Grundarrangements, Bewegungsabläufe
    • Bildnerische Sicht auf die Szene
    • Bühnentechnik und Licht
    • Kostümentwürfe (Figurinen) und Kostümherstellung
    • Vom Entwurf (Skizze) des Bühnenbildes bis zum technischen Einrichten, Korrekturarbeiten während der Endproben
    • Maskenkunde

  6. Musik
    • Musik-Hören anhand von Beispielen aus der Musikgeschichte, Arten von Musik
    • Kompositionstechniken
    • Musik und Farbe, Musik als Emotionsauslöser, Musik und Raum, Musik und Szene
    • Schauspielmusik und Oper
    • Musik und Text, Benutzung fremder Musik

II. Angewandte Dramaturgie

  • Stücke lesen, Stücke untersuchen auf ihre Spielbarkeit, Spielaktualität, Spielinteressen und gegebenen realen Möglichkeiten
  • Stückauswahl, Textfassung; Zusammenarbeit mit Autoren, Agenturen, Übersetzern u.a.
  • Textanalyse, Herausarbeiten der Ausgangs- und Spielsituationen, der Spielvorgänge, Figurenpositionen u.a.
  • Stückgenre, Stückstruktur, Determinanten für Spielweisen
  • Finden der Fabel
  • Lesarten
  • Wirkungsabsichten und –möglichkeiten, Wahl von Spielweisen (Vermittlungsarten)
  • Autorenposition, biografisches wie historisch-politisches, soziales und literarisches Umfeld
  • Erarbeiten der Konzeption
  • Materialsammlung für Schauspielerinnen und Schauspieler
  • Dokumentation der Probenarbeit und des Inszenierungsresultates
  • Grundlagen dramaturgischer Analyse anhand ausgewählter Stücke bedeutender Autorinnen und Autoren bzw. aus wichtigen Theaterepochen
  • Funktion und Geschichte der Dramaturgie
  • Text- und Umfeld-Erkundungen mit Stücken der Weltdramatik einschließlich Zeitdramatik
  • Dialogisieren erzählender Texte, Episieren dramatischer Texte
  • Methoden dramaturgischen Arbeitens (von der Analyse zum Konzept)
  • Aufführungsanalysen
  • Dramaturgische Arbeit im Zusammenhang mit Szenenstudien, Praktikums- und Diplominszenierungen

III. Theorie und Geschichte der Schauspielregie/Sozialwissenschaften

  1. Theorie der Schauspielregie
    • schauspiel- und inszenierungstheoretisches Grundwissen (Theorien des Handelns, Sprache und Sprechen auf der Bühne, Verhältnis von Theaterraum und Theaterspiel im historischen Verlauf)
    • die Theatertheorien Brechts und Stanislawskis
    • Theater- und Dramengeschichte ausgewählter Epochen des Welttheaters
    • Theaterästhetik (Theorie des Dramas, Geschichte und Funktionswandel des Tragischen und Komischen, Spezifik der künstlerischen Spieltätigkeit)
    • Theatersoziologie (kommunikationstheoretische und sozialpsychologische Grundlagen der Theaterarbeit, Kooperations- und Arbeitsteilungsprozesse, Wandlungen des Publikumsgeschmacks, historische Entwicklung bürgerlicher Öffentlichkeit u.a.)
    • Geschichte der Regie- und Inszenierungsmethodiken
    • Analyse inszenatorischer Arbeitsprozesse/Dokumentationstechniken
    • Berufskunde/Rechtskunde (Betriebsformen und Rechtsträgerschaften des Theaters, Finanzierungspolitik, Binnengliederung von Mehrspartentheatern, Arbeits- und Vertragsrecht, Urheberrecht, Einführung in die Berufskunde der Medien Hörfunk, Film und Fernsehen).

  2. Kultursoziologie/Ästhetik
    • Grundlagen des kultur- und kunstsoziologischen Denkens
    • Methoden zur Analyse von Denk-, Kunst- und Kulturstilen
    • Vermittlung und praxisbezogene Anwendung kultur- und kunstsoziologischer Grundbegriffe: „Spiel“, „Situation“, „Handlung“, „Tätigkeit“, „Bedeutung“, „Sinn“, „Interaktion“, „Kommunikation“ u.a.