Studienfach Schauspiel

Das Grundstudium ist durch die Kontinuität und den Aufbaucharakter der Unterrichte (laut Studienplan) gekennzeichnet. Das Hauptstudium ist projektbezogen orientiert. Gelehrt wird nach dem Konzept, das sich auf die besten Traditionen des deutschsprachigen Theaters stützt und die wichtigsten künstlerischen Impulse des Welttheaters in ihrer Weite und Vielfalt berücksichtigt. Insbesondere gründet sich der Unterricht auf die Erkenntnisse und Ergebnisse der Theaterarbeit Konstantin Stanislawskis und Bertolt Brechts: deren schauspielmethodischer Ansatz wird differenziert und vielfältig angewandt.
Im Schauspielunterricht soll der Studierende die Arbeit an sich selbst, an der Rolle und im Ensemble erfahren.

Weitere Informationen:

Methodischer Aufbau des Studiums

Erstes Studienjahr
  • Semester
    Grundlagenunterricht/Improvisationsseminar
  • Semester
    2 Szenenstudien/1 Wahlrollenstudium
Zweites Studienjahr
  • Semester
    2 Szenenstudien/1 Wahlrollenstudium
  • Semester
    2 Szenenstudien
Drittes Studienjahr
  • Semester
    Szenen- und Rollenstudium/projektbezogenes Arbeiten
  • Semester
    Projekt-Arbeit und/oder Inszenierung bzw. Szenenstudium
    Praxiseinsatz
Viertes Studienjahr
  • Semester
    Spezialstudien nach Individualität/Spielen der Inszenierung und/oder Projekt-Arbeit
    Vorstellung mit gearbeiteten Rollen und Szenenstudien
  • Semester
    Spezialstudien nach Individualität/Praxiseinsatz nach Anforderung/Spielen im Engagement nach genehmigter Anforderung

Allgemeine Studienziele

(1) Das Schauspielstudium und die theaterpraktischen Erfahrungen in Projektarbeiten zielen auf hohe handwerkliche Fähigkeiten sowie auf Förderung leistungsstarker künstlerischer Persönlichkeiten, die das erworbene Wissen und Können in der Berufspraxis wirkungsvoll einbringen und dem Prozess der sich ständig verändernden künstlerischen, ästhetischen und sozialen Anforderungen gewachsen sind.
(2) Auf der Grundlage der undogmatischen Handhabung der Methoden Stanislawskis, Brechts und anderer Theaterschaffenden haben Lehre und Studium im Fach Schauspiel zum Ziel:
  1. die handelnde, erzählende und gebildete Schauspielerin und den handelnden, erzählenden und gebildeten Schauspieler auszubilden;
  2. Kunst und künstlerische Prozesse zu erkennen, zu beschreiben und zu Prozessen der Wirklichkeit in Beziehung zu setzen;
  3. szenische Phantasie zu aktivieren, Stücke, Figuren und Vorgänge zu beschreiben und zu analysieren, handwerkliche Mittel und methodische Fähigkeiten für das Erfassen von Spielvorgängen zu erwerben;
  4. die gesamte Physis bewusst als Arbeits- und Ausdrucksinstrument einzusetzen;
  5. sich im gesamten theatralischen Prozess einzuordnen, sich als Bestandteil eines Ensembles zu begreifen und sein schauspielerisches Können für das Publikum und in Wechselwirkung mit diesem einzusetzen.

Ziele des Grundstudiums

Das Grundstudium hat folgende Ausbildungsziele:
  1. Aufbau und Entwicklung der darstellerischen Fähigkeiten durch Improvisationsseminar, Szenenstudium und Wahlrollenarbeit;
  2. Entwicklung des körperlichen, stimmlichen und sprachlichen Ausdrucksvermögens:
    • die/der Studierende erwirbt die Fähigkeit, ihre/seine gesamte Physis bewusst als Arbeits- und Ausdrucksinstrument schauspielerisch handelnd einzusetzen,
    • Aufbau und Entwicklung von Atem, Stimme und Artikulation,
    • Bewusstmachen und Selbststeuerung der schauspielerisch-gestischen Sprechleistung,
    • Umsetzen eines definierten Schriftbildes in ein analoges Klangbild, um zum schauspielerischen Sprechen zu gelangen,
    • Ausbildung der Singstimme und Umgang mit dieser im Sinne des gestischen Singens;
  3. Entwicklung von Beobachtungsfähigkeit, Vorstellungskraft, Konzentrationsfähigkeit, Sensibilität, sozialer und schauspielerischer Phantasie, Durchsetzungsvermögen und Verantwortungsbewusstsein,
  4. Aneignung von Grundkenntnissen und methodologischen Fähigkeiten/Fertigkeiten in der Dramaturgie, Schauspielästhetik, Theatergeschichte, Kulturgeschichte, allgemeinen Ästhetik und Kultursoziologie;
  5. Erlernen einer Fremdsprache.

Ziele des Hauptstudiums

Das Hauptstudium hat folgende Ausbildungsziele:
  1. Erweiterung und Vertiefung der im Grundstudium erworbenen Kenntnisse und Fähigkeiten sowie die bewusste Anwendung im Hinblick auf die Lösung darstellerischer Aufgaben;
  2. Kennenlernen und Erproben verschiedener Theaterkonzeptionen und Spielweisen, ihrer Gesetzmäßigkeiten und Wirkungen;
  3. Kennenlernen der Berufspraxis und Erproben der Wirkungsweisen und der Kommunikation mit Publikum durch repertoiremäßige öffentliche Aufführungen im bat oder durch Mitarbeit an Inszenierungen, wobei Theatergeschichte, Kunst- und Sozialwissenschaft integrierte Bestandteile der Projektarbeit bilden. Unterricht in den körper- und stimmbildenden Fächern und in Musik werden – auch in Form von Spezialkursen – in die Projektarbeit einbezogen;
  4. Erarbeitung der Diplomrolle und der Diplomarbeit.

Inhalte des Studiums

Die Studienziele werden im wesentlichen durch die Beschäftigung mit folgenden Fächern und deren Inhalten angestrebt:

A. Schauspielunterricht

  1. Improvisationsseminar
    Das Improvisationsseminar beinhaltet vorbereitende Übungen, schauspielerische Übungen und die Vorbereitung auf die Arbeit an der Rolle.
  2. Szenenstudium
    Umgang der Studentin/des Studenten mit der Literatur; Spiel mit der Situation; Finden von gestischem Material; Annäherungen an Figuren und Beziehungsspiel zwischen den Figuren; Aufbau und Handlungslinie einer Szene; Rhythmus einer Szene; Umgang mit den Besonderheiten der jeweiligen Literatursprache; Bekanntschaft mit unterschiedlichen Spiel- und Darstellungsmethoden; Entwicklung von Ansichten und Absichten.
  3. Wahlrollen
    Die selbständige Arbeit an Rollen nach eigener Wahl, die in seminaristischer Auswertung mit den Dozentinnen und den Dozenten und den Studentinnen und den Studenten stattfindet, gibt Auskunft über das gewachsene methodische Verständnis der/des Studierenden.
  4. Projektarbeit/Studioinszenierungen
    Die Projektarbeit soll die konkrete sinnliche Erfahrung für die Studierenden unter folgenden Aspekten ermöglichen:
    vom Rollenfragment zur Rolle,
    von der Szene zum Stück,
    vom Vorspiel zur öffentlichen Vorstellung,
    von der Szenenstudiengruppe zum Stückensemble.
    Die/der Studierende erhält die Möglichkeit zu intensiverer Wirkungskontrolle und Wirkungsreflexion gegenüber dem Publikum.

B. Bewegungsunterrichte
  1. Bewegung
    Der Bewegungsunterricht soll den Studierenden helfen, nicht nur ihre physische Konditionierung für den Schauspielerberuf zu verbessern, sondern vor allem ihre Fähigkeit zu entwickeln, ihren Körper als ein wesentliches Instrument individuellen schauspielerischen Ausdrucks selbstbewusst und phantasievoll einzusetzen.
  2. Tanz
    Im Fach Tanz lernen die Studierenden zunächst charakteristische historische Tänze und das körperliche Grundvokabular höfischer Etikette als spezifische Ausdrucksform des jeweiligen kulturell-gesellschaftlichen Umfelds kennen. In diesem Teil der Tanzausbildung, der auch Elemente der klassischen Exercises beinhaltet, werden die Studentinnen und Studenten mit einem hohen körperlichen Formanspruch konfrontiert, während bei der Vermittlung von Gesellschaftstänzen und Elementen der internationalen Folklore, die für das Schauspieltheater relevant sind, der freie schauspielerische Umgang mit dem erlernten Bewegungsmaterial im Vordergrund steht.
  3. Bühnenfechten
    Bühnenfechten stellt sich die Aufgabe, Techniken des Kampfes mit Blankwaffen zu lehren. Dabei werden die beim Fechten innewohnenden Möglichkeiten der körperlichen und geistigen Partnerbeziehung für die Ausbildung von Schauspielerinnen und Schauspielern nutzbar gemacht und trainiert. Die Studentin/der Student lernt dabei, den Widerspruch zwischen kämpferischen Impulsen und der Bewegungskontrolle in eine Einheit zu bringen.
  4. Akrobatik
    Akrobatik trainiert artistische Elemente, d.h. stark formbetonte, stilisierte und artifizielle Gestaltungsmittel.
    Akrobatisch-artistische Fähigkeiten und Fertigkeiten sollen den Studierenden als handhabbares Material für eine szenische Gestaltung und Darstellung zur Verfügung stehen.
  5. Pantomime
    Der Pantomime-Unterricht vermittelt die grundlegenden pantomimischen Techniken unter dem Aspekt des schauspielerischen Handelns. Über den Weg des Analysierens von Bewegungsabläufen erkennen die Studierenden deren Gesetzmäßigkeiten und erarbeiten auf dieser Basis auch unterschiedliche Methoden der Stilisierung und Überhöhung als spezifische theatralische Techniken.
  6. Bewegungskurse
    Neben den Pflichtfächern bieten wir eine wechselnde Auswahl an Kursen aus der Vielfalt von europäischen und außereuropäischen Bewegungslehren, Tänzen, Kampftechniken und Sportarten an, z.B. Step, Capoeira, African Dance, Contact-Improvisation, Biomechanik, Reiten. Diese Kurse orientieren zwar nicht alle unmittelbar auf den Schauspielerberuf, können aber für die Studierenden in der Entdeckung ihrer körperlichen Fähigkeiten als ein andersartiger Schlüssel anregend sein. Auch helfen die hier erarbeiteten Grundkenntnisse dann im Beruf, speziellen Anforderungen besser gewachsen zu sein.

C. Sprecherziehung

Die Ausbildung befähigt zum schauspielerisch-gestischen Umgang mit Autorentexten in bühnen- und medienwirksamer Form. Sie erfolgt handlungsbezogen und überwiegend im Einzelunterricht.
Sie umfasst:
  • Atemschulung
  • Stimmbildung
  • Artikulationsschulung
  • Ausdrucksschulung
  • gestische Arbeit am Text
  • projektbezogene Arbeit
  • Körperstimmtraining (Gruppenunterricht)
Die stimmgestische Ausdrucksfähigkeit wird in ihrer Abhängigkeit von der körpergestischen Ausdrucksfähigkeit geschult und trainiert.
In Sonderkursen kann die Befähigung zur rhetorischen Kommunikation, zur TV-Moderation, zum Mikrofonsprechen, zur Gestaltung literarischer Programme erworben werden.


D. Deutsche Verssprache/Versgeschichte/Diktion

An dramatischen, lyrischen und Prosatexten wird das Umsetzen eines definierten Schriftbildes in ein analoges Klangbild gelehrt, um zum schauspielerischen Sprechen zu gelangen. Die Struktur deutscher Verse wird verallgemeinert dargelegt. Ein historischer Abriss der Entwicklung neuhochdeutscher Verskunst schließt an.

E. Musik

Das Fach beinhaltet:
  • die musikalische Grundlagenausbildung
  • die Ausbildung der Singstimme
  • den Umgang mit dieser im Sinne des gestischen Singens
  • rhythmische Gruppenarbeit
  • mehrstimmiger Gesang
  • Einzelunterricht am Chanson, Bühnenlied usw.


F. Schauspielgeschichte und Dramaturgie
  1. Geschichte des Schauspiels und des Dramas von der Antike bis zur Gegenwart
  2. Theaterformen und Theaterkulturen anderer Länder beziehungsweise die Darstellung wechselseitiger Beeinflussungen
  3. Geschichte des modernen Regie- und Ensembletheaters
  4. „Monographische“ Darstellung der künstlerischen Entwicklung großer vor allem deutschsprachiger Schauspielerinnen und Schauspieler und Regiepersönlichkeiten
  5. Darstellung von Organisationsformen des Theaters; Bedingungen für Theaterarbeit
  6. Dramaturgische Analyse von Stücken und Aufführungen
  7. Rollenanalysen
  8. Blick auf Genres; das Herausarbeiten ihrer Gesetze
  9. Die Medien Film, Hörspiel, Fernsehen.


G. Kunstgeschichte/Ästhetik
  1. Vermittlung allgemeinbildender spezifischer Kenntnisse
  2. Darstellung der jeweiligen Kunstepochen mit ihren philosophischen und ästhetischen Denkinhalten sowie ihren modischen Trends
  3. Stilkunde; Geschichte der Mode und des Kostüms
  4. Geschichte des Bühnenbilds
  5. Theaterarchitektur
  6. Ästhetische Theorie


H. Kulturgeschichte/Kultursoziologie
  1. Darstellung des Beziehungsgeflechts von Kultur und Gesellschaft
  2. Soziologie des Publikums
  3. Geschichte des Alltagslebens
  4. Zivilisationsprozesse
  5. Theater und Zensur
  6. Einfluss fremder Kultur
  7. Schamanismus, Kulte, Geschichte und Funktion von Masken, Verkleidungen, Dämonen, die Zauberkraft des Auges
  8. Angewandte Psychoanalyse