Minna von Barnhelm von Gotthold Ephraim Lessing | Foto: Claudia Charlotte Burchard -dogsdoor-
Minna von Barnhelm von Gotthold Ephraim Lessing | Foto: Claudia Charlotte Burchard -dogsdoor-

Prof. Michael Keller

Michael Keller, geboren in Berlin, arbeitete nach dem Abitur von 1974 bis 1975 als Bühnentechniker an Berliner Theatern. 1975 begann er sein Studium an der Hochschule "Hans Otto" in Leipzig, das er ab November 1975 an der Staatlichen Schauspielschule Berlin fortsetzte und 1978 abschloss. Von 1978 bis 1981 war er als Schauspieler und Regisseur am Theater der Stadt Schwedt engagiert. Seit 1981 ist er als Assistent für Schauspiel an unserer Hochschule tätig. 1983 legte er hier sein Hochschuldiplom als Schauspielpädagoge ab. Bis 1998 künstlerischer Mitarbeiter. 1999 erfolgte seine Berufung als Professor für Schauspiel. Im bat bisher 5 Studioinszenierungen. Seit 2001 Leiter der Abteilung Schauspiel.

Ich habe irgendwo gelesen, dass man zwei Drittel seines Lebens hinter sich hat, wenn man auf die Welt kommt, dass man im Mutterleib die Erlebnisse des ganzen Lebens schon hat, dass dann im Alter die Sache gewöhnlich absackt, so dass die letzten 20 Jahre den ersten 2 Jahren entsprechen. Ich halte es für sinnvoll, gegen diese biologisch bedingte Lebensform anzukämpfen. Und ich glaube auch, dass die 4 Jahre an der Schauspielschule eine der interessantesten Lebensphasen für Studierende sein kann. Sie ist eine Zeit des sich Fallenlassens in Aufschwungkräfte, eine Zeit der Überstunden, eine Zeit des Vertrauens und der Hingabe, eine Zeit, die geprägt ist durch die Kraft, sich seinen Anlagen gemäß zu entwickeln, geprägt durch Ekstasen des Verstehens und durch jenen wundersamen Prozess, den lebendigen Körper wieder als Weltfühler zu entdecken. Dabei zuzuschauen und das mitzumachen, empfinde ich nun schon 20 Jahre als immerwährendes Geschenk. Dieses – mein Mitmachen – ist hauptsächlich darauf gerichtet, dass die Ausbildung dann beendet ist, wenn der Studierende erkennt, dass sie endlos weitergehen könnte, dass Schauspieler sein kein Zustand ist, sondern eine Art des Suchens. Da unser Beruf die Gefahr in sich birgt, dass zentrale und wesentliche Beweggründe des Denkens, Empfindens und Handelns von Simulationen angegriffen werden, gehört in das Suchen des Schauspielers immer wieder die Frage: wozu mache ich Theater? Diese Frage betrifft jene Bühne, von der es kein Entrinnen gibt, weil es die Wirklichkeit selbst ist. Wenn die Antwort auf diese Frage zu klein ausfällt, wenn diese Frage nicht wirklich in Gefahr bringt, wenn man mit ihr nicht wirklich bis ans Ende geht, wächst die Neigung zuzugeben, dass KLEIN schön ist, wächst die Neigung, Erfolg für den Raum zu halten, den man in der Zeitung einnimmt, wächst die Gefahr, sich einzureihen in die institutionalisierten Animatoren und Verdrängungshelfer. Ich beziehe in diese Frage gern den Tatbestand mit ein, dass der Kern des Lebens eine Begegnung ist und dass laut Brecht "Theater darin besteht, Beziehungen zwischen Menschen vergleichbar und schaubar zu machen ..." Das Erinnern an diese Beziehung-Begegnung, an die Sehnsucht nach dem Partner, in dem unsere Gefühle wie Wut, Trauer, Glück ebenso aufgehoben sind, wie unser Tun, Streiten, Weinen, Sex, gehört für mich als zentrale Kategorie in die Ausbildung von Schauspielern. Der Widerstand gegen alle Versuche, sich aus dem Anderen vertreiben zu lassen, beginnt und endet für mich mit dem Wachhalten der allerersten Erfahrungen des Grundlagenseminars: dass ein Gang, eine Geste, ein Blick, ein Aufstehen, ein Wort Bedeutung hat und immer wieder Aufmerksamkeit verdient ...

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