
Nachhaltigkeit
Impulse und nützliche Informationen für einen ressourcenschonenden Prozess in Theaterproduktionen - für Studierende und Alumni
Die HfS Ernst Busch verfolgt das Ziel, soziale und ökologische Nachhaltigkeit fest im Hochschulalltag zu verankern. Dazu wurden eine „Selbstverständniserklärung zum Klimaschutz“ sowie eine umfassende „Nachhaltigkeitsstrategie“ verabschiedet. Die Hochschule setzt bereits konkrete Maßnahmen um, etwa die Installation einer Solaranlage auf dem Dach, das Aufstellen von Mülleimern mit konsequenter Mülltrennung, die Wiederverwendung von Kostümen, Requisiten und Bühnenteilen, eine Kooperation mit der Hochschule für Nachhaltige Entwicklung oder das Acker-Projekt für einen grünen Campus.
Wir freuen uns und fördern, wenn Studierende Themen der sozialen, ökologischen und gesellschaftlichen Nachhaltigkeit auf die Bühne bringen – sei es durch eigene Stückentwicklungen, die sich mit Fragen des Zusammenlebens und der Umwelt auseinandersetzen, oder durch die Wahl zeitgenössischer Stoffe und Theatertexte, die Nachhaltigkeit verhandeln. Kunst kann Bewusstsein schaffen und Perspektiven verändern.
Ebenso wichtig ist es uns aber, dass auch der Produktionsprozess selbst nachhaltig gestaltet wird. Bereits während des Studiums könnt ihr lernen, bewusste Entscheidungen zu treffen – von der Materialauswahl über den Transport bis hin zur Arbeitskultur im Ensemble. Nachhaltigkeit meint dabei nicht nur Ressourceneffizienz und Ökologie, sondern schließt soziale Nachhaltigkeit ausdrücklich mit ein: familienfreundliche Planung, Erholungsphasen, transparente Kommunikation und einen respektvollen Umgang miteinander.
Wie nachhaltiger arbeiten?
Um euch bei der nachhaltigen Gestaltung eurer Produktionen (z. B. Szenenstudien, Diplominszenierungen, Freie Projekte) zu unterstützen, stellen wir drei Dokumente zum Download bereit:
Handreichung für nachhaltige studentische Theaterproduktionen
Die ausführliche Handreichung ist eine Sammlung von Möglichkeiten und Ideen für alle Bereiche einer Produktion: Ausstattung, Transport, Probe und Arbeitsalltag, Kommunikation, Versorgung, Mobilität, Öffentlichkeitsarbeit und vieles mehr. Sie versteht sich nicht als Regelwerk, sondern als Einladung, eigene Schwerpunkte zu setzen.
Kurz-Checkliste für die Erstbesprechung (Check-in)
Diese kompakte Checkliste eignet sich für die erste Ensemblebesprechung einer neuen Produktion. Sie hilft, gemeinsam zu klären, welche nachhaltigen Arbeitsweisen angestrebt werden, wie der Zeitplan für Anschaffungen aussieht und welche Verantwortlichkeiten verteilt werden.
Kurz-Checkliste für die Nachbesprechung (Check-out)
Diese Checkliste dient der gemeinsamen Reflexion nach einer Produktion. Was konntet ihr gut umsetzen? Wo gab es Zielkonflikte? Was würdet ihr beim nächsten Mal anders machen? Die Nachbesprechung hilft, Erfahrungen festzuhalten und für kommende Produktionen zu lernen.
Was steckt dahinter?
Zentral für jedes nachhaltige Vorgehen ist eine frühzeitige und klare Kommunikation im Ensemble. Bereits vor Probenbeginn sollte gemeinsam besprochen werden, welche nachhaltigen Arbeitsweisen angestrebt werden, welche Erwartungen bestehen und wie Verantwortlichkeiten verteilt werden können. Die Leitprinzipien lassen sich so zusammenfassen: Reimagine – Reduce – Recycle – Repair. Das bedeutet, in Kreislaufen zu denken, verantwortungsvoll mit Materialien umzugehen und Nachhaltigkeit nicht als Verzicht, sondern als gestalterische Chance zu begreifen. Nachhaltiges Produzieren braucht Zeit – es lohnt sich, die Zeiteinteilung von Anfang an mitzudenken.
Indem ihr die Handreichung und die Checklisten nutzt, könnt ihr euer eigenes nachhaltiges Handeln bereits während des Studiums reflektieren und in eurer Hochschul-Praxis umsetzen. Diese Erfahrungen werden euch auch nach dem Studium begleiten – egal ob an Stadt- und Staatstheatern, in der Freien Szene oder bei eigenen Projekten.
Auch für Alumni und externe Produktionen
Wir möchten auch ehemalige Studierende ermutigen, die Handreichung z. B. für ihre ersten eigenen Produktionen zu nutzen. Gerade für kleinere Produktionszusammenhänge und freie Gruppen bietet sie einen niedrigschwelligen Einstieg in nachhaltiges Produzieren.
Vorbild und Kontext
Die Handreichung der HfS wurde von einer Studierenden aus dem Studiengang Zeitgenössische Puppenspielkunst in Zusammenarbeit mit Kolleg*innen aus der Gewandmeisterei/Schneiderei, Requisite, den Werkstätten, der Technischen Leitung und der Präsidentin entwickelt.
Vorbild war der Green Guide der Filmuniversität Babelsberg KONRAD WOLF, der bereits seit 2020 Anregungen zum ökologisch nachhaltigen Produzieren studentischer Filmprojekte bietet.
Für größere Theaterinstitutionen wie Stadt- und Staatstheater existieren deutlich umfangreichere Leitfäden, die den gesamten Theaterapparat abbilden. Besonders hervorzuheben ist das Theatre Green Book, ein Praxis-Handbuch der Deutschen Theatertechnischen Gesellschaft (DTHG) für umwelt- und sozialverträgliches Arbeiten im und am Theater. In drei Bänden – Nachhaltige Produktionen, Nachhaltige Gebäude und Nachhaltige Organisation – werden Standards und konkrete Maßnahmen für alle Bereiche des Theaterbetriebs beschrieben.