HfS feiert Jutta Burger, Kerstin Hensel und Veit Schubert
Kein Abschied - nur ein neuer Akt.
Am 15. Juli 2026 hat die Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch drei Persönlichkeiten gefeiert, die das Haus über Jahrzehnte geprägt haben: Jutta Burger, Prof. Kerstin Hensel und Prof. Veit Schubert. Es wurde gesteppt, gesungen, gespielt und mit vielen Worten gewürdigt. Und alle waren sich einig: dies ist kein Abschied ist, sondern nur der Übergang in einen neuen Akt.
Jutta Burger, 1961 im Schwarzwald geboren, fand ihren Weg zur Bewegungskunst früh: als Kunstradfahrerin, die es bis zur Deutschen Vizemeisterschaft brachte, später als Turnerin, Stepptänzerin und Artistin auf Varieté- und Kleinkunstbühnen. An die HfS kam sie über den legendären Bewegungslehrer Horst Beek, dessen Methode sie zwei Jahre lang aus nächster Nähe studierte, bevor sie 2001 seine Nachfolge im Fach Bühnenakrobatik antrat. Über 25 Jahre hat sie den Schauspielstudierenden des ersten Studienjahres beigebracht, was es heißt, dem eigenen Körper zu vertrauen: sicher zu fallen, spielerisch über das Alltägliche hinauszugehen und Bewegung als Erzählmittel zu begreifen. Unvergessen ist ihr auch der gemeinsame Kampf um den neuen Standort, als die Hochschulgemeinschaft das Gelände an der Zinnowitzer Straße in Beschlag nahm und damit ein Zeichen setzte. Für die Zukunft hat sie sich vor allem eines vorgenommen: Zeit zu haben und Dinge entstehen zu lassen, mit Stepptanz, Reisen und einem offenen Feld an Ideen. Oder in ihren Worten: Das Ende ist ein Anfang.
Prof. Kerstin Hensel, 1961 in Karl-Marx-Stadt geboren, kam Ende der 1980er Jahre an die HfS, geholt vom Dichter Karl Mickel, der das von Helene Weigel eingerichtete Fach damals lehrte und in ihr seine Nachfolgerin fand. Seit 2001 ist sie Professorin im Fachgebiet Deutsche Verssprache und Versgeschichte. Ein Vierteljahrhundert lang hat sie ihren Studierenden vermittelt, was ein Vers ist, was Sprache kann, wenn man ihr Rhythmus, Klang und Bedeutung zutraut, und dass Literatur einen Anspruch stellen darf. Dabei blieb ihr Unterricht nie im Seminarraum: Mit Poesiefilmen, Programmen im Brechthaus, in Bibliotheken und bei unzähligen Ausstellungen der Akademie der Künste haben ihre Studierenden das Gelernte immer wieder in die Öffentlichkeit getragen. Als Autorin von rund 35 Büchern zählt sie zu den bedeutenden Stimmen der deutschen Gegenwartsliteratur; seit 2024 ist sie Direktorin der Sektion Literatur der Akademie der Künste Berlin. Der Hochschule bleibt sie eng verbunden, denn nun dürfen die Studierenden endlich auch ihre Werke im Unterricht nutzen, etwas, dass Hensel immer vermieden hatte.
Prof. Veit Schubert ist selbst Absolvent der HfS: Von 1982 bis 1986 studierte er an der damaligen Außenstelle Rostock. Nach seinem ersten Engagement am Staatstheater Schwerin kam er 1989 ans Berliner Ensemble, wo er in über 50 Inszenierungen spielte und mit Regiegrößen wie Heiner Müller, Peter Zadek und Manfred Wekwerth arbeitete. 1997 folgte er dem Ruf als Professor für Schauspiel an seine Hochschule und hat in fast 29 Jahren unzählige Studierende auf ihrem Weg zur Bühne begleitet, auch als Regisseur, etwa mit „Zwei Herren aus Verona“, einer Koproduktion mit dem Berliner Ensemble, die jahrelang auf dem Spielplan des BE stand.
„Die Bühne ist kein Ort, an dem wir den Wettstreit mit einer äußeren Realität gewinnen können. Wir sollten versuchen unsere Hoffnungen, Sehnsüchte, Wüsche, Ängste, Träume und Alpträume zu verstehen, in dem wir eine Kultur entwickeln, miteinander zu kommunizieren, indem wir uns gegenseitig Geschichten erzählen. Das macht Spaß und bedarf keiner Erklärungen.( Weil es den Kopf frei macht und das Herz öffnet.) Zauberei in der Kunst (natürlich auch an der HfS) ist immer dann möglich, wenn wir die reale Welt hinters Licht führen, und wenigstens für die Dauer einer Aufführung ehrlich überrascht sind. Auch über uns selbst.“ Veit Schubert
Alle drei verlassen die Hochschule nicht ohne Spuren: Sie sind eingeschrieben in die Studierenden, die sie begleitet haben, in die Kolleg*innen, mit denen sie gearbeitet haben, und in das Selbstverständnis dieses Hauses. Die HfS dankt Jutta Burger, Kerstin Hensel und Veit Schubert von Herzen für ihr Engagement, ihre Kunst und ihre Treue zu dieser Hochschule und bleibt ihr Zuhause. Der Vorhang fällt nicht, er öffnet sich für den nächsten Akt.
