Kamelia Tavitian inszeniert "Leonce und Lena" als ihr Diplomprojekt Regie
Ein Interview
Hallo Kamelia Tavitian! Du bist Studentin im Studiengang Schauspielregie an der HfS Ernst Busch und demnächst feiert dein Diplomprojekt „Leonce und Lena“ Premiere (Mi 10.06., 19.30 Uhr, Bühne UNTEN), mit dem du dein Studium abschließen wirst.
Magst du dich und deinen bisherigen Werdegang kurz vorstellen?
Ich wurde 1997 in Bulgarien geboren. Die letzten zehn Jahre meines Lebens verbrachte ich in Berlin. Hier habe ich Geschichte und Philosophie studiert, mein Kind zur Welt gebracht und meine Leidenschaft für das Theater zu meinem Beruf gemacht.
„Leonce und Lena" ist ein humorvolles Lustspiel von Georg Büchner. Was hat dich dazu bewogen, ausgerechnet dieses Werk für dein Diplom zu wählen?
Es hat mich provoziert, weil es kontroverse Gefühle in mir hervorgerufen hat. Ich habe mich gefragt, wie ich daraus eine zeitgenössische Komödie machen kann. Das ist meine letzte Inszenierung an der Hochschule und ich wollte mich herausfordern und frei experimentieren. Ich finde, eine gute Komödie zu liefern ist extrem schwierig.
Welche Aktualität hat das Stück für dich?
Gemeinsam mit dem Ensemble und dem Team haben wir das Stück radikal überschrieben. Das einzige, was von Büchners Originaltext geblieben ist, sind die Rahmenhandlung und die zentralen Figuren. Wir haben die Überschreibung vollständig durch Improvisationen entwickelt. Daraus ist eine absurde Komödie entstanden, die den Nerv unserer Zeit trifft. Mit meiner Regiearbeit werfe ich einen Blick auf den historischen Stoff und stelle fest, dass heute, genau wie zu Büchners Zeiten, immer noch ein Ungleichgewicht zwischen Taten und Worten herrscht.
Mit welchen stilistischen oder theatralen Mitteln arbeitest du in deiner Inszenierung, und wie spiegelt sich darin deine persönliche Handschrift als Regisseurin wider?
In meiner Arbeit greife ich häufig auf Komik und Absurdismus zurück. In Leonce und Lena arbeite ich darüber hinaus auch mit ästhetischen Brüchen, Dekonstruktion von Räumen, sowie ganz viel mit Erwecken von Erwartungen, die gebrochen werden. Ich bemühe mich immer, viel Raum fürs Spiel zu schaffen. Besonders in dieser Inszenierung sind die Spielenden durchgängig in einem sehr wachen Zustand. Das hat viel mit Mut, Freiheit und Verletzlichkeit zu tun. Der spielende Mensch muss sich nie gehemmt fühlen.
Welchen Gedankenanstoß möchtest du durch dein Stück bei den Zuschauer*innen bewirken?
Die Gedanken sind frei!
Vielen Dank für das Gespräch! Hier lesen Sie mehr über das Stück.
