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Bildungspaket für Schulen “Der papierene Freund”

Studierenden der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch lesen aus Holocaust-Tagebücher jüdischer Jugendlicher. Mit einer Einführung und Hinweisen für Lehrkräfte. Textauswahl von Wolf Kaiser.

Sie sind auf der Flucht, werden gejagt, können untertauchen, leben in Verstecken, überleben und sterben in Ghettos und Lagern. Sie sind noch Kinder, sind Heranwachsende, die lieben, hoffen und verzweifeln. Mitten in der Hölle des Holocaust schreiben sie mit ungeheurer Hoffnung und großem Mut, über ihre Leben, ihre Ängste, ihren Überlebenswillen, ihr Sterben. 

Der Historiker und ehemalige Leiter der Bildungsabteilung im Haus der Wannsee-Konferenz, Wolf Kaiser, hat im Mai 2022 das Buch „Der papierene Freund. Holocaust-Tagebücher jüdischer Kinder und Jugendlicher“ beim Metropol Verlag herausgegeben. Darin versammelt er Tagebucheintragungen von jüdischen Kindern und Jugendlichen. Die Texte spiegeln ihre Hoffnungen und Ängste, ihre Verzweiflung ebenso wie ihren Lebenswillen, den Mut und die Tatkraft wider, die sie der tödlichen Bedrohung des Holocaust entgegensetzten. Wolf Kaiser ist es gelungen, Texte in neun Sprachen aus West-, Mittel- und Osteuropa zusammenzutragen und erstmals einer deutschsprachigen Leserschaft zur Verfügung zu stellen.

Vor dem Hintergrund, dass immer weniger Überlebende in Schulen und in Veranstaltungen für Erwachsene von den Verbrechen des Nationalsozialismus aus persönlicher Perspektive berichten können, wurden an der HfS Ernst Busch Auszüge aus dem Buch von Studierenden und Schüler*innen im hauseigenen Tonstudio eingesprochen.

Das hier präsentierte Bildungspaket für Schulen mit den Ton-Dateien und Texten macht mit jungen und engagierten Stimmen von heute die Stimmen der Kinder und Jugendlichen von damals wieder hörbar. Das Projekt möchte einen direkten Zugang zu heutigen Schüler*innen und Erwachsenen finden, um an die Folgen rechten und antisemitischen Denkens zu erinnern und daran, dass auch heute jeden Tag Kinder und Jugendliche Verfolgung und Tod erleiden müssen.

Gelesen von Johann Born, Carl Geissler, Stella Vogel, Pia Dembinski, Edward Ruben Auerbach und Prof. Cornelia Klawutschke. 

Texte aus: Der papierene Freund. Holocaust-Tagebücher jüdischer Kinder und Jugendlicher, hrsg. v. Wolf Kaiser. Berlin: Metropol Verlag 2022. Leitungsteam der HfS: Iris Böhm, Holger Kuhla, Jürgen Beyer. Das Projekt wird gefördert von der Axel Springer Stiftung.

Tagebuch von Heniek Fogel gelesen von Johann Born

Heniek Fogel auf einem 1948 für einen DP-Ausweis verwendeten Foto ITS Digital Archive, Arolsen Archive

In seinem Tagebuch vereint der 1922 in Łódź geborenen Heniek Fogel die Dokumentation der katastrophalen Ernährungslage im Ghetto mit präzisen Schilderungen seiner Erlebnisse und dem Ausdruck seiner Gefühle angesichts der Verluste, die er und die anderen Ghettobewohner durch das Vorgehen der Besatzer erlitten. 

In: Der papierene Freund, S. 329-347 
Original: Yad Vashem Archive, O.33-1569 
Polnische Ausgabe: Heniek Fogel, Dziennik. Hrsg. v. Adam Sitarek und Ewa Wiatr. Warschau. Jüdisch-Historisches Institut, 2019

Aus dem Tagebuch von Elye Gerber

Zeichnung aus dem Tagebuch von Elye Gerber

Das Tagebuch des 1924 in Kowno (Kaunas) geborenen Elye Gerber zeichnet sich durch Wortgewandtheit, Anschaulichkeit und einen gelegentlich ironischen und sarkastischen Ton aus, der vom Selbstbewusstsein dieses Jugendlichen zeugt. So ist ein facettenreiches Bild des Ghettolebens in Kowno entstanden.

In: Der papierene Freund, S. 469-483
Original. Gaon Museum für jüdische Geschichte, Vilnius, VZM 4844
Englische Ausgabe: Ilya Gerber, Diary from the Kovno Ghetto August 1942-January 1943, hrsg. v. Lea Preis, Jerusalem: Yad Vashem, 2021

Aus dem Tagebuch von Miriam Chaszczewicka

Miriam Chaszczewicka

Die 1924 in Radomsko geborene Miriam Chaszczewicka, die ihr Tagebuch zur Reflexion über ihre persönlichen Beziehungen, Empfindungen und Wünsche verwenden wollte, sah sich gezwungen, sich darin zunehmend mit der immer bedrohlicheren Verfolgung der Juden des Generalgouvernements auseinanderzusetzen. Ihre Einträge (vom 21. April 1941 bis zum 7. Oktober 1942) zeugen von ihrem Bemühen, sogar noch angesichts der Erwartung, sehr bald dem Massenmord zum Opfer zu fallen, physisch und psychisch standzuhalten. 

In: Der papierene Freund, S. 283-305 
Original: Yad Vashem Archive, O.3-3442

Aus den Tagebüchern von Barend Spier und Ellis Paraira

Ellis Paraira und Barend Spier

Die Tagebücher, die Barend Spier und Ellis Paraira - beide 17 Jahre alt - in der zweiten Jahreshälfte 1942 in den Niederlanden für einander schrieben, sprechen von ihrer großen Liebe und zugleich von ihrer nur zu berechtigten Angst, deportiert zu werden und umzukommen. 

In: Der papierene Freund, S. 111-149
Niederländische Ausgabe: Ellis Lehman-Cohen Paraira, Shulamith Bitran-Lehman, De dagboeken van Bernie & Ellis. Een Scheveningse liefde in oorlogstijd. Amsterdam: Uitgeverij Balans, 2011