Elye Gerber wurde am 23. Juli 1924 als Sohn des angesehenen Musikers und Dirigenten Berl Gerber und seiner Frau Rachil in Kowno (Litauisch Kaunas) geboren. Nachdem dort im Sommer 1941 am Ufer des Flusses Vilija ein Ghetto errichtet worden war, lebte er mit seinen Eltern sowie seiner Schwester Chaje und deren Mann Schloime in einem kleinen Raum. Kurz nach seinem 17. Geburtstag begann Elye, Tagebuch zu schreiben. Doch sind seine ersten beiden Notizhefte verlorengegangen. Als er Ende August 1942 ein drittes Heft anfing, war im Ghetto eine Phase relativer Ruhe eingetreten, nachdem im Herbst 1942 fast die Hälfte der jüdischen Bevölkerung Kownos ermordet worden war.
Elye Gerber wollte in seinem Tagebuch die Geschehnisse im Ghetto dokumentieren und zugleich Eigenarten des Ghettolebens und seine persönlichen Erfahrungen, Einschätzungen und Reflexionen festhalten. Er illustrierte sein Tagebuch mit zahlreichen farbigen Zeichnungen. Parallel zu seinen Tagebuchnotizen sammelte er Lieder im Ghetto und hielt deren Texte in einem Liederbuch fest, das ebenso wie sein drittes Tagebuch heute im Archiv des Gaon-Museums für jüdische Geschichte in Wilna liegt.
Elye ist nach der Räumung und Sprengung des Ghettos von Kowno Ende Juli 1944 in das Konzentrationslager Dachau deportiert worden. Im April 1945 wurde er auf einem Todesmarsch bei Wolfratshausen erschossen.

