HfS Ernst Busch UNTEN
Zinnowitzer Str. 11
10115 Berlin
Ein Bewusstsein, das ein literarisches Theaterstück erschafft, um der eigenen Biografie nicht begegnen zu müssen.
Person X durchlebt eine Panikattacke. Um der verdrängten Trauma-Erinnerung nicht begegnen zu müssen, flüchtet das Bewusstsein sich hinter ein intellektuelles Schutzschild. Im Kopf ringen dabei zwei Ebenen miteinander: X identifiziert sich mit einer Romanfigur von Kafka und findet sich als Josef K. eines Tages unvermittelt angeklagt in einem Prozess, dem er immer mehr erlegen ist, ohne zu wissen, worin die Anklage eigentlich besteht. Die größere Frage ist aber doch, von was dieser Prozess ablenken soll, denn im Kopf von Person X lauern Erinnerungen, die die Grenze zwischen Gegenwart und Vergangenheit einreißen. Diese Umschreibung greift Symptome und Mechanismen eines traumatisierten Menschen auf, insbesondere der Fiktionalisierung als psychischer Schutzmechanismus: der Flucht des Bewusstseins aus einem unerträglichen, somatischen Trauma in ein intellektualisiertes Fiktions-Narrativ.
Wie wirkt sich alter Scham und alte Schuld auf das Jetzt aus, ist es überhaupt gut und hilfreich, sich daran zu erinnern und es aufzuarbeiten oder lebt es sich besser in einer Geschichte, im Hier und Jetzt und man lässt Vergangenes vergangen sein. Wie sind unterdrückte und schambehaftete Erinnerungen in unserem Kopf verankert, wann kommen sie an die Oberfläche, wann driften wir in Situationen gedanklich und emotional ab? Der Abend behandelt die Frage, wie Menschen Kunst, Literatur und Intellektualisierung nutzen,
um sich vor Schmerz, Scham und realen Verletzungen zu schützen. Gleichzeitig setzt sich die Inszenierung damit auseinander, wie Missbrauch, Homophobie und verdrängte Schuldgefühle das Leben von queeren Menschen prägen und wie die Vergangenheit die Wahrnehmung der eigenen Gegenwart besetzt.
Das Stück zersetzt und verbindet den Roman mit Fachtexten zur Neurobiologie des Traumas, mit Abschnitten aus „Hirn“ von Rainald Goetz und eigenen Biografiespuren zu einer schwarzen Komödie.
Regie: Ruslán Viktorov
Dramaturgie: Jule Martenson
Bühnenbild: Hannah Schütz
Kostüm: Anastasia Malysheva
Musik: Richard Wolf
Videodesign: Lidia Sinelnik
Regieassistenz: Carla Stein
Schauspiel: Noah Tinwa, Philipp Lehfeldt, Julius Gruner, Sarah Palarczyk, Dennis Svensson, Amira Pollmann
HfS Ernst Busch UNTEN
Zinnowitzer Str. 11
10115 Berlin
Eintritt frei. Tickets 10 Tage vor der ersten Vorstellung online buchbar.
