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Aventis Foundation fördert die Weiterentwicklung des Videomischers VM-1

Ein Interview zu dem Open-Source-Gerät des Labors für Digitalität

Bereits 2025 entstand im „Labor für Digitalität“ der HfS Ernst Busch in Kooperation mit dem Hamburger Softwareentwickler Nils Zweiling und mit Unterstützung der Aventis Foundation der Videomischer VM-1. Das Open-Source-Gerät wurde auf Probe- und Studiobühnen der Hochschule eingesetzt und von Videokünstler*innen aus der Community nachgebaut. Durch den Einsatz unter Realbedingungen bekamen Julian Jungel, Leiter des Labors, und Nils Zweiling detailliertes Feedback von den Benutzer*innen. Zusammen mit ihren eigenen Ideen und Vorstellungen entwickelten sie ein Konzept für die Weiterentwicklung des Projekts, das nun von der Aventis Foundation zum zweiten Mal gefördert wurde.

 

Was genau ist der VM-1 und was kann er?

Julian Jungel: Der VM-1 ist ein eigenständiges Gerät, mit dem sowohl Live-Kameras als auch vorproduziertes Videomaterial auf der Bühne abgespielt und gemischt werden können. Das ersetzt den Laptop auf der Bühne, ist einfacher zu bedienen und lädt zum experimentellen Gestalten mit Video und Film ein.

Nils Zweiling: Der Clou ist, dass der VM-1 ein Open-Source-Projekt ist und auf dem relativ günstigen Minicomputer „Raspberry Pi“ basiert. Mit Hilfe eines 3D-Druckers kann also jede und jeder den VM-1 nachbauen.

 

Was genau heißt „Open Source“?

NZ: Der Quellcode – also alles, was wir programmieren – steht offen auf der Plattform GitHub zur Verfügung. Dadurch ist es anderen Interessierten möglich, den VM-1 aktiv mitzuentwickeln oder an ganz individuelle Bedürfnisse anzupassen. Die Software des VM-1 (das sogenannte „Image“) kann einfach heruntergeladen, auf einen USB-Stick kopiert und in den Raspberry Pi gesteckt werden – dann ist der VM-1 prinzipiell fertig.

JJ: Besonders wichtig ist für uns, dass der VM-1 dadurch zugänglich ist und Studierende und auch kleinere Bühnen befähigt werden, Videotechnik künstlerisch einzusetzen.

 

Das klingt super – wie seid ihr auf diese Idee gekommen?

JJ: Als ich 2017 an der „Ernst Busch“ angefangen habe, bat mich mein damaliger Kollege und Professor für Digitale Medien, Friedrich Kirschner, um die Entwicklung einer rudimentären Software zum Abspielen von Videos für die Probebühne. Daraus wurde eine kleine App für Windows-Computer, die gerne von Studierenden genutzt wurde. 

NZ: Heute läuft das alles mit dem Raspberry Pi auf viel einfacherer und günstigerer Hardware, die jedoch eine speziellere Softwareentwicklung benötigt. Wir sind selbst ziemlich überrascht und gleichzeitig begeistert von dem Potenzial, welches der „Raspberry Pi“ für den VM-1 bietet!

 

Wie sieht die Weiterentwicklung des VM-1 aus?

NZ: Bereits im Herbst haben wir den Videoeingang zum Anschluss von verschiedenen Kameras optimiert und angefangen, ein System für Videoeffekte zu integrieren. Dieses System werden wir jetzt ausbauen, damit sich Farben und Bilder intuitiv verändern lassen können. Auch der bekannte Greenscreen-Effekt wird sich einsetzen lassen.

JJ: Wir gestalten das Interface etwas um. Neben einem größeren Screen wird auch der „Fluss“ des Videosignals durch die Effekte bis raus zum Projektor klarer und intuitiver.

NZ: „Projection Mapping“ ist ein weiteres Features, das wir bereits prototypisch umgesetzt haben. Damit lässt sich das Video einfacher in das Bühnenbild integrieren.

JJ: Wir haben uns auch einen „Video-Looper“ zum Ziel gesetzt. Das wird vermutlich aufgrund der Datenmenge der Videos die größte Herausforderung. Aber wir werden das schaffen, oder Nils?

NZ: Na klar! (lacht). Aber vorher bauen wir die Fader ein, so dass zwischen Videos manuell mit einem Regler geblendet werden kann. Das war ein wichtiges Feedback aus der Community.

 

Wow, das sind viele Ziele. Wann werden wir die neue Version des VM-1 sehen?

JJ: Wir planen, zum Tag der offenen Ernst Busch am 30. Mai den neuen Prototypen vorstellen zu können.

 

Wir freuen uns und sind schon sehr gespannt!
© Julian Jungel