Puppe Spezial - nun schon zum 5. Mal im Deutschen Theater Berlin!
Ein Bericht von Jörg Lehmann und Christine Zeides
Die fünfte Ausgabe des Minifestivals von DT Kontext präsentierte am 15. Februar 2026 erneut die spannendsten Nachwuchskünstler:innen des Genres: Puppenspiel-Studierende der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch (HfS) mit drei Vorstellungen: eine Diplominszenierung und ein Szenenstudium in der Box plus die Weiterentwicklung des Formats Puppenkaraoke anschließend im Rangfoyer.
Die beiden ersten Inszenierungen zeigten die Spannbreite des Studiengangs der Zeitgenössischen Puppenspielkunst auf. Robert Richters „Weißwasserbericht“, eine Tour de farce mitten hinein in die Randbezirke gesamtdeutscher Realität konfrontiert nach kurzer Umbaupause mit den Oberschichten der Pariser Kunstbohem in Yasmina Rezas „Kunst“ und ihrem in geschliffenen Dialogen ausgebreiteten Kämpfen um die eine Wahrheit im Lebensstil und der Kunst. Die erste Arbeit mit live vor Kamera gespielten Handpuppen in oftmals grotesken Situationen, mit Projektionen und Schauspiel, das Szenenstudium des 50. Jahrgangs unter der Leitung von Franziska Rattay mit Menschen und Klappmaulpuppen in mitunter atemberaubenden Übergängen. Die Gemeinsamkeit: beide trafen als theatrale Ereignisse in der jeweils ausverkauften Box auf ein intensiv mitgehendes Publikum und wurden zurecht mit viel Applaus bedacht – zweimal Theaterglück.
Den Abschluss des Festivaltages bildete die dritte Ausgabe des Puppenkaraokes OKE KARA mit Studierenden aus allen Jahrgängen. Das Impro-Format an der Schnittstelle von Puppenperformance, Philosophie und Metaphysik stand an diesem Abend unter dem Motto „Um Leben und Tod!“
So verwandelte sich das DT-Rangfoyer in einen Ort für Jenseitsbegegnungen, in dem Julius Warmuth als launischer Tod vor einem Puppenfundus (einer Sonderform des Jenseits, speziell für Puppen) seinen Kontrahenten erwartet: den Kasper. Dieser wird ihm in einem feierlichen Begräbnis dargebracht – doch kurz vor der Übergabe an Gevatter Tod wird die lustige Figur wieder quicklebendig und verrät im anschließenden Handgemenge mit dem Tod ganz nebenbei das Geheimnis seiner Unsterblichkeit: „Wer dem Tod entkommen will, der muss seinen wunden Punkt kennen – denn selbst der Tod hat eine heimliche Schwäche, bei der er nicht widerstehen kann: Puppenkaraoke." Der Sensenmann bekommt seine Show und darf sich an Songkategorien wie „Sing mir das Lied vom Tod“, „Spot – das emotionale Solo“ oder „Puppe (ver)führt Mensch“ erfreuen. Gesungen und puppig improvisiert werden diese durch Eurydike (Paula Engel), Viktor Frankenstein (Mika Sander), Friedrich Nietzsche (Carolina Walker) und die Pest (Xeno Scholpp): Da bröselt eine gealterte Tischpuppe ein „Forever young“ ins Mikrofon.
Eine teuflische Katze mit Alkoholproblem interpretiert „Rehab“ von Amy Winehouse. Und zwei Klappmäuler im gesanglichen Beziehungsdrama suchen Ablenkung mit einem menschlichen Seitensprung im Publikum, bis ein herbeigerollter Galgen die Beziehung beendet.
Des Todes letzter Wunsch war schließlich eine Nahtoderfahrung, bei der das ganze Leben einer Puppe filmisch am Zuschauerauge vorüberzog. Ein Medley mit Songs aus verschiedenen Lebensabschnitten von der Geburt bis zum hohen Alter wurde von Moderatorin Christine Zeides gesungen und vom gesamten Team mit Großpuppe und zahlreichen Requisiten gespielt. Schließlich übernahm der Schnitter das letzte Wort und gönnte dem Abend mit einer lustigen Handpuppenchoreo den exklusiven „Tod durch Abgesang“.
Puppen leben viele Leben und sterben viele Tode: sie sind somit erfahrene Experten in der Darstellung der „Letzten Dinge“ und lieferten bei diesem Puppenkaraoke nicht nur gute Unterhaltung, sondern auch ein bisschen Existenzphilosophie als Abschluss eines gelungenen Puppe Spezial Vol. V im Deutschen Theater.
Tom Mustroph von der taz berichtete: https://taz.de/Puppen-Spezial-am-Deutschen-Theater/!6154991/. Wir freuen uns auf die nächste Ausgabe und danken dem Team vom DT Kontext für diese wichtige Kooperation!
