Theatertreffen 2026
HfS Alumni unter den zehn bemerkenswertesten Inszenierungen
Das nächste Theatertreffen findet vom 1. bis 17. Mai 2026 statt. Bereits vor kurzem wurden die 10 bemerkenswertesten Inszenierungen, ausgewählt von einer Kritiker*innenjury, bekannt gegeben. Zu ihnen zählen auch die Inszenierungen “Die Welt im Rücken” unter der Regie von Lucia Bihler (HfS Regie Alumni 2010) und “Wallenstein - Ein Schlachtfest in sieben Gängen” unter der Regie von Jan-Christoph Gockel (HfS Regie Alumni 2005). Außerdem spielen in dem Stück “Il Gattopardo” (Regie: Pınar Karabulut) die Schauspiel-Absolventen 2024 Mouataz Alshaltouh und David Rothe mit. Wir gratulieren allen sehr herzlich zu dieser Auszeichnung!
Die Welt im Rücken
von Thomas Melle
Regie: Lucia Bihler
Premiere: 27.9.2025
Schauspiel Stuttgart
schauspiel-stuttgart.de
Jurybegründung
„Die ganze Bühne mutiert hier zu einem psycho-physischen Raum: Von Paula Wellmanns mit-atmenden und zuweilen schamrosa beleuchteten Vorhängen bis zu den drängenden Sounds von Sixtus Preiss wirkt alles daran mit, Thomas Melles schmerz- und humorvollen Text über seine bipolare Störung sicht- und erfahrbar zu machen. Im Zentrum dieses Gesamtkunstwerks: die großartige Paulina Alpen. Im roten Körper-Panzer von Victoria Behr – und manchmal auch ihm entgegen – spielt sie das Schwerwerden in der Depression ebenso wie den Donnerhagel der Neuronen in der Manie. Und nichts davon zu groß. Selbst das Durchdrehen ist bei ihr eine feinstoffliche Angelegenheit. Sechs Alpen-Lookalikes sind die von Melle erwähnten ,Zwitter-Agenten‘: Ausstülpungen wie Echos des eigenen Ich, die aber auch die Reaktionen der Mehrheitsgesellschaft auf inadäquates Verhalten spiegeln. Der Abend hat die poppige Ästhetik, die man von Lucia Bihler kennt, ist aber niemals effekthascherisch, sondern tief menschlich und schickt auch das Publikum auf eine Achterbahn der Emotionen.“ – Sabine Leucht für die Theatertreffen-Jury
Wallenstein
Ein Schlachtfest in sieben Gängen
nach Friedrich Schiller
Regie: Jan-Christoph Gockel
Premiere: 4.10.2025
Münchner Kammerspiele
muenchner-kammerspiele.de
Jurybegründung
„Eine Doppelbelichtung der Mechanik des Krieges und eine überbordende Feier des Theaters: Das und noch viel mehr gelingt diesem Wallenstein. Sieben Stunden nehmen sich Jan-Christoph Gockel und sein Team von Individualist*innen dafür Zeit. Dass sie einem nicht lang werden, liegt an der Vielzahl der Perspektiven auf den Stoff, die sich manchmal reiben, aber immer wunderbar miteinander räsonieren. Es geht um Söldnerheere gestern und heute, um militärische Strippenzieher, die selbst an fragilen Strippen hängen, um Loyalität und die Schwierigkeit, Kriege wieder zu beenden. Zentral für die Bildwelten und den Humor des Abends sind Schillers berühmter Satz ,Der Krieg ernährt den Krieg‘, die Figur des russischen Söldnerführers Jewgeni Prigoschin und der Harry Potter-Zauberspruch ,Riddikulus‘, der beängstigende Dinge in etwas Komisches verwandelt und die lähmende Angst vertreibt. In diesem immersiven, zwischen Investigativ- und Literatur-Theater, Performance, Schau- und Puppenspiel, feiner Ironie, Satire und Ernst aufgespannten Meisterstück bleibt dagegen alles in Bewegung. Sogar die Hoffnung auf den Menschen im Krieger.“ – Sabine Leucht für die Theatertreffen-Jury
Il Gattopardo
von Giuseppe Tomasi di Lampedusa
Aus dem Italienischen von Burkhart Kroeber
Bühnenfassung von Pınar Karabulut und Hannah Schünemann
Regie: Pınar Karabulut
Premiere: 29.11.2025
Schauspielhaus Zürich
schauspielhaus.ch
Jurybegründung
„Theaterabende wie Pınar Karabuluts Adaption von Giuseppe Tomasi di Lampedusas Il Gattopardo sind selten geworden. Zusammen mit der Bühnenbildnerin Michela Flück und der Kostümbildnerin Sara Valentina Giancare lässt Karabulut das aristokratische Sizilien des Risorgimento auf magische Weise wieder aufleben. Die Opulenz der Räume wie der Kostüme und das meist ungebrochen psychologische Spiel des Ensembles ziehen das Publikum tief in das 19. Jahrhundert hinein. Es kann sich in der Schönheit dieser untergehenden Welt ebenso wie in der melancholischen Noblesse des von Markus Scheumann gespielten Fürsten Don Fabrizio verlieren. Zugleich kann es aber auch Symptome unserer eigenen Zeitenwende erkennen. Karabulut bleibt nah an Lampedusas Roman und nimmt so unsere krisengeschüttelte Wirklichkeit in den Blick. Scheumanns Schlussmonolog ist nicht nur die berührende Lebensbilanz eines Sterbenden. Er ist auch eine Mahnung, anders als Don Fabrizio für das Bestehende zu kämpfen.“ – Sascha Westphal für die Theatertreffen-Jury
