Heniek Fogel wurde am 23. September 1922 als jüngstes der drei Kinder von Wolf und Fajga Etla Fogel in Łódź geboren. Nach dem deutschen Überfall auf Polen benannten die Besatzer Łódź in Litzmannstadt um und erklärten den Ort zur Hauptstadt des sogenannten Warthegaus, das dem Reichsstatthalter und Gauleiter der NSDAP Arthur Greiser unterstand. Als am 8. Februar 1940 in der Stadt ein Ghetto eingerichtet wurde, war Heniek siebzehn Jahre alt. Sein Vater verhungerte Anfang 1942 mit 57 Jahren im Ghetto. Henieks 1914 geborener Bruder Szlamek und sein Schwager Sasza Feldmark wurden nach Kulmhof deportiert und in einem Gaswagen ermordet.
In dem seit dem 1. Mai 1940 hermetisch abgeriegelten Ghetto Litzmannstadt starben etwa 43500 Menschen an Hunger, Kälte und durch Unterversorgung verursachte Krankheiten. Insgesamt etwa 77000 Ghettobewohner starben in Kulmhof in Gaswagen. Im Zuge der Auflösung des Ghettos im Sommer 1944 ermordete die SS etwa 60000 Juden in Auschwitz.
Heniek wurde am 23. August 1944 zusammen mit seiner Mutter und seiner Schwester Mindla nach Auschwitz deportiert. Seine Mutter starb unmittelbar nach der Ankunft in einer Gaskammer. Heniek wurde in das Konzentrationslager Wüstegiersdorf verbracht und musste dort und in mehreren anderen Lagern in Schlesien Zwangsarbeit leisten, bis er von Soldaten der amerikanischen Armee befreit wurde.
Im Lager für Displaced Persons in Zeilsheim in Frankfurt am Main traf er Tsipora Kulisz, mit der er im Ghetto zusammengearbeitet hatte, und heiratete sie. Auch sie hatte mehrere Lager überlebt. 1949 folgte Heniek mit seiner Frau seiner Schwester Mindla nach Israel. 1952 wanderte das Ehepaar nach Kanada aus. Sie hatten zwei Kinder und vier Enkel. Heniek Fogel starb am 16. April 2001 in Montreal.
Henieks nicht in seiner Muttersprache Jiddisch, sondern auf Polnisch verfasstes Tagebuch ist erhalten geblieben, weil er es unter den Fußbodendielen der Wohnung verborgen hat, in der er mit seiner Mutter und Schwester lebte, bevor sie nach Auschwitz deportiert wurden. Nach seiner Befreiung kehrte er nach Łódź zurück und fand sein Tagebuch wieder.

