Künstliche Intelligenz und Theaterkunst
(Kritische) Haltung und praktische Orientierung für Lehre, Studium und künstlerische Praxis an der HfS Ernst Busch
Die Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch Berlin begreift Künstliche Intelligenz als eine der prägenden Entwicklungen unserer Zeit – technologisch, gesellschaftlich und künstlerisch. Als Hochschule der Theaterkünste nimmt die HfS eine doppelte Verantwortung wahr: Sie qualifiziert Studierende als Protagonist*innen des technologischen Wandels und zugleich als kritische Begleiter*innen dieser Transformation.
Bereits seit einigen Jahren wird KI an der Hochschule nicht nur als Werkzeug, sondern als künstlerischer Forschungsgegenstand verstanden. In Inszenierungen, Seminaren und künstlerischen Experimenten loten die Studierenden und Lehrenden die Möglichkeiten und Grenzen von KI aus – von der Textgenerierung über Stimm- und Videobearbeitung bis hin zu interaktiven Dramaturgien.
Die Haltung ist dabei bewusst ambivalent und forschend: Die zunehmenden Mediatisierung ist nicht nur Herausforderung, sondern auch Chance für ein Aufblühen der co-präsenten darstellenden Künste. Gerade weil die Welt zunehmend digitalisiert ist, braucht sie das Theater mehr denn je – als Ort unmittelbarer, sinnlicher Begegnung, als Resonanzraum für demokratische Auseinandersetzung und als Labor für neue Erzählformen.
Das Labor für Digitalität und der Masterstudiengang Spiel und Objekt bilden das Herzstück dieser prozessorientierten, kritisch-experimentellen Praxis. Hier entwickeln die Studiengänge innovative Ansätze, die neue Technologien nicht nur einzusetzen, sondern deren Potenziale, Risiken und gesellschaftliche Auswirkungen bewusst zu reflektieren.
Mit einer Handreichung zum Einsatz von KI in Bewerbungs- und Prüfungskontexten, Fortbildungsangeboten und der aktiven Förderung künstlerischer KI-Projekte positioniert sich die HfS Ernst Busch als Innovationslabor und kritischer Impulsgeber – für ein Theater, das Technologie nicht fürchtet, sondern künstlerisch durchdringt und menschliche Begegnung neu erfindet.
„Die digitalisierte Welt braucht das Theater mehr denn je!“
Theoretische Annäherung und praktische Anwendung
Das Positionspapier “Reflexionen zu Künstlicher Intelligenz und darstellenden Künsten” macht aktuelle Argumente und Überlegungen zum Thema KI im Theater, Film, der Synchron- und Stimmarbeit sowie Fragen zu den ökologischen Verwerfungen von KI, ihrem politischen Missbrauch, psycho-sozialen Negativeffekten sowie ihrer versteckten Problematik der „Ghost Workers“ transparent. Das Papier wurde im Januar 2026 erstellt und versammelt insbesondere Argumente gegen die Behauptung KI würde das Theater und vor allem Schauspieler*innen potenziell substituieren. Des Weiteren wird darauf eingegangen welche Schutzmaßnahmen aus der Politik in Bezug auf KI und die darstellenden Künste wünschenswert wären und wie kritische Fragen zur KI von den Studieren aufgegriffen werden können.
Die Handreichung “Empfehlung zur Nutzung von Künstlicher Intelligenz” der HfS bietet Lehrenden und Studierenden konkrete Orientierung zum Umgang mit KI an der HfS – von begrifflichen Grundlagen über praktische Anwendungsbeispiele bis hin zu Regelungen für Bewerbungs- und Prüfungskontexte. Sie wurde 2024 erstmalig erstellt und im November 2025 aktualisiert. Darin enthalten sind Begriffsdefinitionen und Beispiele für KI-Anwendungen, Regelungen für KI in Bewerbungsprozessen, Transparenz- und Dokumentationspflichten bei schriftlichen Arbeiten, Hinweise zum künstlerischen Einsatz von KI in Studienprojekten sowie Datenschutzaspekte und Empfehlungen für europäische KI-Tools.
„Die HfS Ernst Busch ist Innovationslabor und kritischer Impulsgeber – für ein Theater, das Technologie nicht fürchtet, sondern künstlerisch durchdringt und menschliche Begegnung neu erfindet.“
Das Labor für Digitalität als Innovationshub
Das Labor für Digitalität unter der Leitung von Julian Jungel fungiert als zentraler Ansprechpartner für alle Fragen rund um Künstliche Intelligenz, digitale Technologien und deren künstlerische Anwendung.
Das Labor vermittelt Studierenden den experimentellen, spielerischen und zugleich kritisch-reflektierenden Umgang mit Technologie. Es schlägt Brücken zwischen künstlerischen und technologischen Berufsfeldern und entwickelt eigene Innovationen – von Open-Source-Tools für die performativen Künste bis hin zu interdisziplinären Forschungsprojekten zu interaktiven Dramaturgien, vernetzten Objekten und hybriden Darstellungsformen.
Studierende arbeiten hier daran, neue Technologien künstlerisch zu erschließen, ihre Potenziale und Grenzen auszuloten und innovative Erzählformen zu entwickeln. Die kritische Reflexion von KI, Social-Media-Algorithmen und der Herkunft von Technologien ist integraler Bestandteil der Arbeit.
Das Labor trägt aktiv zur Digitalen Souveränität bei – durch Orientierung zu Open Source und europäischer Software sowie durch die Entwicklung eigener Werkzeuge, die auch externen Interessierten zur Verfügung stehen.
Kritische Reflexion zur KI im Masterstudiengang Spiel und Objekt
Der Masterstudiengang Spiel und Objekt / Experimental Play betreibt zukunftsgewandte Grundlagenforschung und schult Studierende in prozessorientierter künstlerischer Projektentwicklung, kritischer Spiel- und Interaction Literacy, sowie im Umgang mit digitalen Technologien uvm.
Ausgangspunkt für Forschung und Lehre sind die technisch-sozialen Realitäten und die Materialität von KI sowie die zugrundeliegende massive Infrastruktur. Prof. Hannah Perner-Wilson und Prof. Sebastian Quack tragen als Expert*innen dazu bei, diese Aspekte in die Hochschule hinein zu vermitteln.
Über den praktisch-pragmatischen Umgang mit Künstlicher Intelligenz und ihren Anwendungen hinaus setzen sich Lehrende und Studierende mit ihren negativen Aspekten auseinander: die Umweltkonsequenzen von KI (Verbrauch von Energie, Wasser, Rohstoffen), den Arbeitsbedingungen in der KI-Industrie (bsp. “Ghost Labour”), den Gefahren für fragile demokratische Strukturen, z.B. durch ungehemmte KI-Nutzung durch politische Progaganda, sowie emotionale und intellektuelle Abhängigkeit von KI Tools durch Vereinsamung.
Ansprechpartner*innen



Prof. Hannah Perner-Wilson
Lehrende*r
Studiengang Spiel und Objekt
Professorin für digitale Medien
