HfS verleiht DAAD-Preis 2025 an Kathy Etoa
Wir gratulieren herzlich!
Den DAAD-Preis 2025 vergab die HfS am 17. Dezember im Rahmen ihrer diesjährigen Deutschlandstipendienfeier an die schweizerische Studentin Kathy Etoa Muti Ndola des 3. Studienjahrs Schauspiel, die sich im Verein Schwarze Filmschaffende e.V. engagiert. Ihre Dankesrede lesen Sie hier:
Liebe Hochschule, liebe Frau Dr. Kiss, sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kommiliton*innen,
zuerst möchte ich mich herzlich für die Verleihung des DAAD-Preises bedanken. Es ist eine große Ehre, heute hier sprechen zu dürfen.
Ich wurde in Kamerun geboren, bin in Bern aufgewachsen und lebe heute in Berlin. Dieser Weg über verschiedene Länder, Sprachen und Kulturen hat meine Perspektive geprägt – auf Kunst, auf Verantwortung und auf die Gesellschaft. Schon früh habe ich erfahren, wie sehr Zugehörigkeit davon abhängt, wer spricht, wer gesehen wird und wessen Geschichten erzählt werden. Diese Erfahrungen prägen, wie ich Theater und Film verstehe: nicht als abgeschlossene Räume, sondern als Orte, an denen wir Verantwortung übernehmen können.
Als Teil des Vereins Schwarze Filmschaffende e. V. setze ich mich bundesweit für strukturelle Veränderungen in der deutschen Film- und Theaterlandschaft ein. Dabei geht es nicht nur um Sichtbarkeit, sondern um Machtverhältnisse: Wer bekommt Zugang? Wer erzählt? Und wer bleibt systematisch außen vor?
Ein konkretes Beispiel für diese Arbeit ist die Stellungnahme des Vereins zum Blackfacing am Schauspielhaus Hamburg. Solche Vorfälle sind keine Einzelfälle, sondern Ausdruck historisch gewachsener rassistischer Strukturen im Kulturbetrieb. Unser Engagement bedeutet, diese Praktiken klar zu benennen, Verantwortung einzufordern und gleichzeitig Räume für Reflexion, Dialog und nachhaltige Veränderung zu schaffen.
Gleichzeitig geht es uns darum, eigene Räume zu eröffnen. Schwarze Filmschaffende e.V. organisiert zunehmend Veranstaltungen, Panels und Vernetzungsformate im Umfeld der Berlinale. Diese Präsenz während eines der wichtigsten internationalen Filmfestivals ist entscheidend, um Schwarze Perspektiven langfristig im kulturellen Diskurs zu verankern – auf der Bühne, im Film, im Fernsehen sowie vor und hinter der Kamera.
Auch meine künstlerische Arbeit selbst verstehe ich als Teil dieses Engagements. Rollenentscheidungen und Stoffe wähle ich bewusst so, dass sie Machtstrukturen sichtbar machen und gesellschaftliche Fragen verhandeln. Aktuell darf ich als Gast die Hauptrolle im Stück What You’ll Find on the Way to Becoming am Schauspielhaus Zürich übernehmen - ein Projekt mit einem fast vollständig Schwarzen Ensemble und eingeladenen Regisseurinnen aus den USA. Viele Rückmeldungen zeigen, wie besonders es für Zuschauer*innen ist, so viele Schwarze Stimmen und Körper gemeinsam auf der Bühne zu sehen. Sichtbarkeit ist hier politisch: Sie macht erfahrbar, wer sonst selten Platz bekommt.
Darüber hinaus wirke ich in einem kommenden Netflix-Film mit, der von der Arbeit der NGO Jugend Rettet inspiriert ist. Meine Rolle wurde von einer Frau inspiriert, die derzeit auf Malta lebt, und die ich persönlich kennenlernen durfte. Sie hat mir ihre Geschichte erzählt, die ich nun verkörpere: Sie ist über das Mittelmeer nach Malta geflüchtet, wie viele andere auch, und wurde auf dem Weg Opfer von Gewalt. Seit fünf Jahren lebt sie dort mit ihren drei Kindern, deren rechtliche Anerkennung bislang ungeklärt ist. Solche Geschichten zu erzählen, macht die politischen Realitäten sichtbar, die Menschen täglich betreffen.
Theater und Film sind politisch. Nicht, weil sie fertige Antworten liefern, sondern weil sie Räume öffnen, in denen Perspektiven sichtbar werden, die sonst zu lange übersehen werden. Der DAAD-Preis ist für mich deshalb mehr als eine finanzielle Unterstützung. Er ist ein Zeichen, dass Engagement, Haltung und künstlerische Arbeit zusammengehören. Und er ermutigt mich, meinen Weg weiterzugehen – zwischen Sprachen, zwischen Ländern, zwischen Kunst und Gesellschaft und dies mit Haltung, mit Verantwortung und mit Blick auf eine vielfältige Zukunft unserer Kulturlandschaft.
Vielen Dank.
An deutschen Hochschulen sind aktuell mehr als 400.000 ausländische Studierende immatrikuliert, die an ihrem jeweiligen Hochschulort nicht nur studieren, sondern auch leben, arbeiten und sich in vielfältiger Weise engagieren. Um die Aufmerksamkeit einer breiteren Öffentlichkeit sowohl auf die Bereicherung zu lenken, die diese Studierenden für Forschung, Lehre und Kunst bedeuten, als auch auf das ehrenamtliche Engagement, das viele von ihnen tagtäglich zeigen, hat der Deutsche Akademische Austauschdienst bereits vor mehr als fünfzehn Jahren den DAAD-Preis ins Leben gerufen. Er ist mit 1.000 Euro dotiert und darf von jeder Hochschule, an der mindestens 30 ausländische Studierende eingeschrieben sind, einmal pro Jahr vergeben werden. Auswahlkriterien sind akademische Leistungen sowie soziales, interkulturelles oder sonstiges ehrenamtliches Engagement.
